Lokale Interessensnetzwerke und Gesellschaftlicher Wandel

In Zeiten multipler Krisen stellt sich mehr denn je die Frage nach den Akteuren für gesellschaftlichen Wandel. Deshalb bin ich im Rahmen meiner Masterarbeit, in Kooperation mit der AK Oberösterreich, folgender Frage auf den Grund gegangen: Was sind die Chancen und Risiken von lokalen Interessensnetzwerken in einer sozial-ökologischen Transformation? Mit je vier Experteninterviews wurden das Jugendnetzwerk Oberösterreich und Fridays for Future Wien als Fallbeispiele herangezogen. Folgende Erkenntnisse wurden dabei erzielt:

Grafik zu Chance und Herausforderungen lokaler Netzwerke
Chancen und Herausforderungen lokaler Netzwerke

Durch ihre Einbettung im regionalen Kontext eignen sich Lokale Interessensnetzwerke besonders gut dazu lokale Themen auf politische Agenden zu bringen und durch symbolische Vorbildwirkung Wandel in anderen Regionen anzuregen. Mit lokalen Events können sie die Perspektive marginalisierter Gruppen emotional transportieren, durch Storytelling Bewusstsein schaffen – in der Bevölkerung und in Institutionen. Trotz augenscheinlicher Unterschiede der beiden Fallbeispiele kristallisierten sich verschiedene Gemeinsamkeiten heraus, wie beispielsweise das Ziel des besseren Ausbaus des öffentlichen Nahverkehrs in ländlichen Regionen. In der netzwerkübergreifenden Zusammenarbeit empfiehlt es sich deshalb auf Schlüsselfelder der sozial-ökologischen Transformation wie jenes der Mobilität zu setzen.

Durch Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung können Lokale Interessensnetzwerke Druck von unten auf die Politik ausüben. Dabei wird eine heterogene Zusammensetzung der Netzwerkpartner, wie beim Jugendnetzwerk Oberösterreich der Fall, von allen Netzwerkpartnern als großer Vorteil erlebt. Heterogenität erhöht die Wahrscheinlichkeit von Fortschritt und Innovation. Gleichzeitig zählt es zu den größten Herausforderungen von lokalen Interessensnetzwerken, sich mit ihren Forderungen auch außerhalb der eigenen Blase Gehör zu verschaffen.

Ein weiteres Risiko stellt die Begrenztheit von finanziellen und zeitlichen Ressourcen dar. Hinzu kommt, dass lokale Interessensnetzwerke durch die Covid-19-Pandemie massiv in ihrer Arbeit eingeschränkt sind. Der Mangel an positiven Zukunftsperspektiven, mit dem lokale Interessensnetzwerke ohnehin oft zu kämpfen haben, verschärft sich hier noch weiter.

Abschließend lässt sich feststellen, dass lokale Interessensnetzwerke einen signifikanten Beitrag leisten zu einer sozial-ökologischen Transformation. Es wird empfohlen auf Heterogenität zu setzen: Innerhalb des Netzwerks aber auch in Form von breiten Koalitionen zwischen lokalen Interessensnetzwerken, da eine sozial-ökologische Transformation auf der Verbindung ökologischer, sozialer und ökonomischer Perspektiven basiert.

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Wordbubble Zusammenfassung

Johanna Bürger:

Die Autorin führte diese Forschungsarbeit durch als Abschluss ihres Master-Studiums Socio-Ecological Economics and Policy an der Wirtschaftsuniversität Wien.

 

Im Rahmen des AK-Förderprogramm für Abschlussarbeiten wurde von Studentin Johanna Bürger zum Thema „Lokale Interessensnetzwerke“ eine Masterarbeit verfasst. Was können Netzwerke leisten und welche Grenzen stehen Netzwerke gegenüber? Die vollständige Masterarbeit können Sie HIER lesen.

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