Resümee Jugendnetzwerkdialoge zur Mobilitätsarmut Jugendlicher in ganz Oberösterreich im Herbst 2019

 

211 Menschen aus sozialen Organisationen, Institutionen, Schulen und Betrieben nahmen an den Jugendnetzwerkdialogen zum Thema „Bewältigung von Mobilitätsarmut“ im Herbst 2019 teil. Zehn solcher Dialoge wurden insgesamt in den Regionen Oberösterreichs veranstaltet. Mobilität ist ein menschliches Grundbedürfnis. Um am sozialen, ökonomischen und kulturellen Leben teilhaben zu können, braucht es gute und leistbare Mobilitätsangebote. Viele junge Menschen in Österreich sind in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Insbesondere bei der Schul- und Berufswahl spielt das eine entscheidende Rolle.

Die Arbeiterkammer OÖ fordert, dass Jugendliche in Unterstützungsangeboten, wie z.B. der Produktionsschule, den gleichen Zugang zum Lehrlings- und Jugendticket haben sollen wie Lehrlinge und Schüler/-innen.

 

 

 

Viele Jugendliche, gerade im ländlichen Raum, leiden darunter, dass das Netz öffentlicher Verkehrsmittel häufig nicht ausreichend ausgebaut ist. Das wird etwa dann zum Problem, wenn Jugendliche eine Lehre machen wollen, der Lehrbetrieb sich aber in einer Gemeinde befindet, die mit Öffis schwer oder gar nicht erreichbar ist. Potenzielle Lehrstellen können so schwer erreicht werden. Dadurch werden insbesondere Jugendliche, die es ohnehin schon schwer haben, Lehrstellen zu finden, zusätzlich benachteiligt.

 

Ein weiteres Problem: Jene, die den Übergang von der Schule in den Beruf noch nicht geschafft haben und Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen, in der sie auf die Berufswelt vorbereitet werden, haben im Gegensatz zu Schülern/-innen und Lehrlingen keinen Anspruch auf das Lehrlings- oder Jugendticket. Gegen einen kleinen Selbstbehalt hätten damit die Jugendlichen, die ohnehin schon aus mobilitätsarmen Familien kommen, freie Fahrt zwischen Wohn- und Ausbildungsort. Mit der Aufzahlung zum Jugendticket könnten sie sich darüber hinaus günstig im gesamten Netz des Oberösterreichischen Verkehrsverbunds bewegen. Je nach Fördergeber und Angebot ist die finanzielle Unterstützung für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel unterschiedlich geregelt.

Mit der Gleichstellung der Ticketpreise für Jugendliche in Unterstützungsangeboten mit jenen, die für Schüler/-innen und Lehrlinge gelten, würden sie von den selben Mobilitätsmöglichkeiten und somit einer besseren sozialen Teilhabe profitieren.

 

In der Ideenwerkstatt der Dialoge wurden viele weitere Ideen besprochen, jene werden nun nach der Dialogreihe gesammelt. Nähere Informationen zu den Ideen und zur Weiterarbeit daran folgen demnächst.

Grundlage für die Diskussion war die von der AK geförderte Masterarbeit zum Thema „Fortbewegung im ländlichen Oberösterreich – Qualitative Studie

zum Customer Behaviour von ausgrenzungsgefährdeten Jugendlichen der Generation Z“ von Karim Hegazy. Jene kann abgerufen werden unter https://www.jugendnetzwerk-ooe.at/wp-content/uploads/2019/10/Karim-Hegazy_Masterarbeit.pdf.

 

 

Weitere Bilder von den JugendNetzwerkDialogen in den Bezirken:

 

Presseniederschlag:

Wels Regionalinfo 24

Tips Braunau

E-Steyr

Tips Eferding/Grieskirchen

Freitstadt/Perg_Rundschau

Freistadt/Perg_Tips

Grieskirchen/Eferding_ Rundschau

Linz_Land_Tips

Ried_Schärding_Tips

Salzkammergut_Rundschau

Salzkammergut_Tips

Tips Rohrbach JNW Dialog 2019

 

Bitte unterstützen: Petition „Dabei Austria“ – fordert Jugendticket für alle Jugendlichen in der Ausbildungspflicht bis 18

Bitte unterstützen Sie die Petition „Dabei Austria“ – welche das Jugendticket für alle Jugendlichen in der Ausbildungspflicht bis 18 fordert. Die Petition richtet sich an das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und kann unter folgendem Link unterzeichnet werden:

https://www.openpetition.eu/at/petition/online/jugendticket-fuer-alle-jugendlichen-im-rahmen-der-ausbildungspflicht-bis-18

Auch die Vollversammlung der Arbeiterkammer Oberösterreich fordert vom Verkehrsreferenten des Landes Oberösterreich, vom/von der Bundesminister/Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie sowie von dem im Landtag und im Parlament vertretenen Parteien:

„Der Zugang zur Lehrlingsfreifahrt und zum Jugendticket-Netz muss für alle in Ausbildung befindlichen Jugendlichen im Rahmen der betrieblichen Lehrausbildung, der ‚Ausbildungspflicht bis 18‘ und der ‚Ausbildungsgarantie bis 24‘ ermöglicht und finanziert werden. (…) Nur so kann man möglichst vielen Jugendlichen die Vorteile des öffentlichen Verkehrs nahebringen, einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und eine Berufsausbildung für möglichst alle gewährleisten.“
(Resolution im Rahmen der Vollversammlung der Arbeiterkammer Oberösterreich vom 12. November 2019)

Quelle: unsplash

 

Veranstaltungsrückschau: Tagung Jugend und Digitalisierung – Möglichkeiten und Herausforderungen der Zukunft

Rund 50 Personen aus sozialen Organisationen, Schulen und Betrieben diskutierten am 28. Juni über das Thema „Digitalisierung und Beschäftigungsperspektiven von (ausgrenzungsgefährdeten) Jugendlichen.

Im Mittelpunkt standen dabei die zukünftigen Entwicklungen am Arbeitsmarkt unter dem Fokus Industrie 4.0. sowie Beschäftigungsmöglichkeiten und Kompetenzanforderungen von Jugendlichen. Die zunehmende Digitalisierung und die Industrie 4.0, das Zeitalter der vernetzten Kommunikation zwischen Mensch und Maschine ist ein zentrales Kennzeichen unserer Zeit: 1990 beginnt die kommerzielle Phase des Internets, 1995 wird über Amazon das erste Buch online verkauft, 2007 revolutioniert I-Phone den Smartphone-Markt und 2009 erfolgte der Start von Whats App. Selbstfahrende Fahrzeuge, Robotik, Internet der Dinge und Crowdworking sind einige Schlagwörter dieser Zeit. Auch in der Arbeitswelt sind „intelligente“ Maschinen und Systeme auf dem Vormarsch. In manchen Berufsfeldern ersetzen sie bereits die menschliche Arbeitskraft. Zukünftig werden einfache Tätigkeiten zur Gänze wegfallen. Dadurch sind geringqualifizierte Personen und Hilfskräfte besonders gefährdet.

Insgesamt haben neun Prozent der österreichischen Beschäftigten (ca. 360.000 Personen), die Berufe als Hilfsarbeitskräfte am Bau oder in der Reinigung ausüben oder Maschinenbediener/-innen und Handwerk/-innen ein hohes Automatisierungsrisiko. Als besonders gefährdet gelten Berufe die sehr stark von Routinetätigkeiten geprägt sind, in denen kleinteilige Arbeit dominiert und in denen die standardisierte Verarbeitung von Daten eine große Rolle spielt.

Dennoch betont unser Referent, Christoph Tanzer, Bildungsexperte der AK NÖ, dass die Digitalisierung nicht nur Jobs vernichtet, sondern auch neue Arbeitsplätze schafft. Laut Wifo Beschäftigungsprognosen 2016-2023 für OÖ ist ein Wachstum an Arbeitskräften im Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterrichtsbereich sowie bei den technischen Fachkräften zu erwarten.

Was bedeutet dies für die berufliche Zukunft von (ausgrenzungsgefährdeten) Jugendlichen, für die Arbeitssuchenden von morgen? Der Zugang zu digitalen Medien ist allen Jugendlichen gewährleistet, digitale Grundkompetenzen sind vorhanden, dennoch ist ein Unterschied hinsichtlich der Nutzung von Medien erkennbar. Jugendliche mit niedriger formaler Bildung nutzen die Medien stärker unterhaltungsorientiert und passiv konsumierend. Bei Jugendlichen mit höherer Bildung steht die laufbahnbezogene, aktiv-produktive Nutzungsweise im Vordergrund. Es entsteht ein sogenannter „Digital Divide“ innerhalb der Jugend zwischen den Bildungsschichten.

Zukünftig sind am Arbeitsmarkt aber nicht nur digitale Kompetenzen erforderlich, die vernetzte Arbeitswelt erfordert weiterhin die Vernetzung untereinander – Kommunikations- und Kooperationstechniken, Planungs- und Organisationsfähigkeit – selbst organisiert arbeiten und sich weiterbilden sowie soziale Fähigkeiten, sind essentiell für die Jugendlichen um am „digitalisierten“ Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Christoph Tanzer betonte mehrfach, dass ein digitaler Kompetenzerwerb bereits in der frühen Schullaufbahn stattfinden soll. Er appelliert an Lehrer/-innen und Vertrauenspersonen, sich verstärkt dafür zu interessieren, wie Jugendliche kommunizieren und was sie medial konsumieren. Schulen müssen zukünftig verstärkt digitale Medienkompetenz im digitalen Aufklärungsunterricht vermitteln. Die Schule spielt vor allem bei sozial benachteiligten Jugendlichen eine besonders wichtige Rolle bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen – ohne ausreichende Medienkompetenz verstärken sich die Ungleichheiten. Zusätzlich ist aufgrund des oft dysfunktionalen, sozialen Systems bei sozial benachteiligten Jugendlichen, ein umfassendes Netzwerk mit sozialpädagogischer Familienhilfe und Fördereinrichtungen erforderlich um digitale Medien richtig nutzen zu können.

 Präsentation:

Tanzer_Jugend&Digitalisierung_Juni18_Teil1

Tanzer_Jugend&Digitalisierung_Juni18_Teil2

 

Pressebericht:

TIPS Gmunden

Das Video des Vortrages finden Sie hier.