Angebote der Arbeiterkammer OÖ für Jugendliche

 

Rechtsberatung der Arbeiterkammer Oberösterreich

  • Arbeitsrechtliche Beratungen und Informationen
  • Beratung und Information zum Thema Konsumentenschutz
  • Beratung und Information hinsichtlich des Insolvenz-Rechtsschutzes
  • Lohnsteuerberatung

Infos unter: https://ooe.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/index.html

 

Beratung rund um die Lehrausbildung

  • Information und Beratung rund um die Lehrausbildung und Lehrlingsschutz
  • Information zu Lehrberufen (Lehrlings-ABC)
  • uvm.

Infos unter https://ooe.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/lehre/index.html

 

Bildung und Weiterbildung

  • Information und Beratung rund um Bildung und Weiterbildung
  • Persönliche Bildungsberatung

Infos unter: https://ooe.arbeiterkammer.at/beratung/bildung/index.html

 

Workshopzentrum „Dialog“

  • Workshops für Schulklassen zu Fragen rund um Arbeit, Gesellschaft, Medien und Konsum

Infos unter: https://ooe.arbeiterkammer.at/service/workshopzentrumdialog/index.html

 

Jugendnetzwerk der AKOÖ

  • Netzwerk regionalpolitisch Verantwortlicher in allen Regionen Oberösterreich, das die Chancen für schwächere, ausgrenzungsgefährdete Jugendliche erhöhen will, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen.
  • Regelmäßige Dialoge zwischen Institutionen, Unterstützungsangeboten für Jugendliche, Schulen und Betrieben zur Bearbeitung brennender Themen.
  • Regelmäßige Tagungen und Konferenzen.

Infos unter: https://www.jugendnetzwerk-ooe.at/

 

Startpaket Wohnen

  • Junge AK-Mitglieder bekommen für ihre erste Wohnung einen kostenlosen Wohnkredit bis zu € 10.000,-.

Infos unter: https://ooe.arbeiterkammer.at/beratung/wohnen/startpaketwohnen/AK_Startpaket_Wohnen.html

 

Beruf und Familie

  • Informationen und Beratung zu Familienbeihilfe, Schwangerschaft und Wiedereinstieg.

Infos unter: https://ooe.arbeiterkammer.at/beratung/berufundfamilie/index.html

 

 

Berufsorientierung verhindert Bildungsabbruch

Eine Studie der Arbeiterkammer Wien belegt, dass knapp 300.000 Personen unter 35 Jahren ihre erste weiterführende Ausbildung abgebrochen haben. Nur gut die Hälfte aller Bildungsabbrecher/-innen sind zwei Jahre nach dem Abbruch erwerbstätig. Die restlichen jungen Menschen arbeiten zumeist als Hilfskräfte oder sind arbeitslos (rund 180.000). Besonders betroffen vom Bildungsabbruch sind junge Mütter, die mangels Berufstätigkeit keinen Anspruch auf einen Kindergartenplatz sowie Lehrabbrecher/-innen. Meistens ist ein Bildungsabbruch durch mangelnde Unterstützung in der Familie bedingt sowie den Umstand, dass sich in Österreich Jugendliche bereits mit 14 Jahren für ihren weiteren Bildungsweg entscheiden müssen. Der Ausbau individueller Beratungsangebote kann das Risiko von Bildungsabbrüchen reduzieren.
Den Beitrag der Arbeiterkammer Wien können Sie unter folgendem Link nachlesen, einen Beitrag zum Thema finden Sie auch unter news.ORF.at.

Die Geschichte von der Geschichte und der Zukunft

von Martin Mahringer (Referent in der Arbeiterkammer Oberösterreich)

Die technischen Entwicklungen in der Arbeitswelt werden für viele Menschen eine Herausforderung darstellen. Besonders für jene jungen Menschen, die auf mehrfache Weise von Ausgrenzung gefährdet sind. Auch die Unternehmen stehen im Zeitalter des Internet of Things (IoT), die Einsätze von Roboter, Automaten und selbstkommunizierenden Maschinen, an einem Wegenetz vor Veränderungen. Doch bevor an dieser Stelle bereits zu weit vorgegriffen wird, soll ein kurzer Blick zurück die derzeitige Diskussion besser verständlich erscheinen lassen.

Vor gut 12.000 Jahren begann der Übergang des Menschen vom Jäger und Sammler hin zu Ackerbau und Viehzucht. In dieser Zeit machten sich die Menschen das Domestizieren der Tiere zu eigen und verwandelten so grundlegend ihren Lebensalltag. Danach stand die Landwirtschaft im Fokus der Menschen und sie nahmen sich Tiere, um die (Nahrungsmittel-)Produktivität zu steigern und die Transportwege zu erleichtern (vgl. Bauer 2013, S. 136 ff.). Der Anteil der Bevölkerung, welche im landwirtschaftlichen Sektor arbeitete, wuchs bis zum Zenit im Jahr 1810 auf 92% an (vgl. Dimmel 2017, S. 16). Durch die Entwicklung von wirtschaftlichen und zuverlässigen Erfindungen wie der Dampfmaschine und des mechanischen Webstuhls sowie begünstigt durch den Bau von Eisenbahnen begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft.

1.0
In der sogenannten ersten industriellen Revolution wurden Arbeitstätigkeiten, welche zuvor noch von menschlicher und tierischer Muskelkraft abhängig waren, nach und nach von mechanischen Kräften abgelöst (vgl. Bauer 2013, S. 114). Kinderarbeit war zu dieser Zeit allgegenwärtig und von allen Seiten geduldet. Aufgrund von Armut hatten viele Familien keine andere Wahl als ihre eigenen Kinder zur Arbeit zu schicken. Ab dem 4. Lebensjahr galten sie als arbeitsfähig und wurden in Fabriken und Manufakturen eingesetzt. Besitzer von Fabriken und Unternehmer fanden „Müßigang“ schädlich für die Entwicklung der Kinder und nur die Arbeit sei nützlich, bildend und förderungswürdig. Der Staat griff aufgrund der allgemeinen Armut nicht ein. Regelmäßiger Unterricht fand verstärkt im Winter statt, da oftmals keine Zeit für den Unterricht blieb. Der durchschnittliche Arbeitstag dauerte bei den Kindern und Jugendlichen acht bis sechzehn Stunden. Spinnmädchen, die an mechanischen Webstühlen arbeiteten, kamen in der Woche sogar auf etwa 119 Stunden. Dies sind auf sieben Tage aufgerechnet 17 Arbeitsstunden pro Tag (vgl. Faderl, Hagemann und Rieger 2016, S. 8 ff.). Erst im Jahr 1842 wurde in Österreich die Maximalarbeitszeit für Neun- bis Zwölfjährige auf zehn Stunden Arbeitszeit beschränkt, bei den Zwölf- bis Sechzehnjährigen belief sie sich auf zwölf Stunden. Auf Kindermärkten, ähnlich wie Viehmärkten, wurden die Kinder als Arbeitskräfte den Unternehmern angeboten. Die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften zur Unternehmensrentabilitätssteigerung war groß. Die Bedingungen waren aufgrund der langen Arbeitszeiten unter starkem Einfluss von Lärm, Staub und Dreck leidlich und unzulänglich. Freizeit gab es praktisch keine, da auch die Sonn- und Feiertage streng reguliert wurden (vgl. Czeike 2004, S. 501 f.). Die Not der Kinder war groß und nicht wenige Kinder verloren in Kohleschächten ihre eigene Kindheit und vielfach auch ihr Leben (vgl. Precht 2018, S. 17). Erst nach und nach kamen soziale Verbesserungen für die jungen Arbeitnehmer/-innen. In den 1840er-Jahren kam es zum ersten Arbeitsverbot für Kinder, verschärfte Bestimmungen in den folgenden Jahrzehnten schränkten die allgemeine Beschäftigung sowie die Nachtarbeit von Jugendlichen ein (vgl. Czeike 2004, S. 502).

2.0
Ende des 19. Jahrhunderts, beginnend in den 1870er und 1880er Jahren, läutete die Nutzung von Elektrizität als Antriebskraft die zweite industrielle Revolution ein. Basierend auf der Idee der wissenschaftlichen Betriebsführung nach Frederick Winslow Taylor entstanden neue Techniken der Fertigung wie die Fließbandarbeit nach Henry Ford (1913) und ermöglichten so die serielle Massenproduktion. Produktionsschritte wurden geteilt und in sich abgeschlossen. Neben der Textil-, Eisen- und Stahlproduktion sowie Bergbau kamen die Chemie- und Elektroindustrie als neue Leitsektoren hinzu. Durch die aufkommende Globalisierung wurde es den Unternehmen und Staaten möglich ihre Produkte einfacher und schneller interkontinental zu transportieren (vgl. Bauer 2013, S. 118 ff.; Daft et al 2010, S. 45). Junge Arbeitnehmer/-innen spielten immer noch eine wichtige Rolle für die kostengünstige Produktion in Fabriken und Maschinenhallen. Die aufkommenden Sozialgesetzgebungen brachten aber auch einen stärkeren Schutz der jungen Arbeiter/-innen und nach dem ersten Weltkrieg gab es erstmals einen nationalen Arbeitsschutz für die Kinder und Jugendlichen (vgl. Gesetz vom 19. Dezember 1918 über die Kinderarbeit). Die Bedingungen am Arbeitsplatz wurden sicherer und auch die Kinder, welche bei den Eltern beschäftigt waren, wurden gesetzlich geschützt (vgl. Faderl, Hagemann und Rieger 2016, S. 37). Nach dem zweiten Weltkrieg regelte ab 1948 das Kinder- und Jugendschutzgesetz (BGBl. Nr. 146/1948) die arbeitsrechtliche Situation der Kinder und Jugendlichen in Österreich, welches in den darauffolgenden Jahren immer wieder ergänzt und verbessert wurde (vgl. Czeike 2004, S. 502).

3.0
Die dritte industrielle Revolution begann in den 1960er und 1970er Jahren mit der Produktion von Halbleitern und dem Einsatz von Großrechnern sowie in späterer Folge von Personalcomputern und der Erfindung des Internets. Dies führte zu einer starken Rationalisierung und Automatisierung in der Produktion. Die menschliche Arbeitskraft rückte in der Reihenfertigung immer stärker in den Hintergrund und neue Formen der Arbeitskräftestruktur bildeten sich (vgl. Müller-Jentsch 2017, S. 80 ff.). Die Kinderarbeit in der früheren Ausprägung gab es in Österreich zu dieser Zeit nicht mehr. Jugendliche standen unter besonderen Schutz, welcher durch die Gesetzesreform des Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz von 1987 wiederverlautbart (BGBl. Nr. 599/1987) und modernisiert wurde (vgl. Dirschmied und Nöstlinger 2002, S. 70 ff.).

4.0
Der Wandel in der Technologie und Industrie wird immer schnelllebiger. Dies zeigt sich auch in der Verkürzung der Revolutionszyklen. Nachdem der Abstand der bisherigen bekannten drei industriellen Revolutionen über die Landesgrenzen hinweg in etwa 100-150 Jahre betrug, kommt mit der Ankündigung eines neuen technologischen Zeitalters bereits ca. 50 Jahre nach der letzten die neue, sogenannte vierte industrielle Revolution. Von Staat, Medien und Industrie wird sie breitenwirksam avisiert. Bekannt durch die zu Beginn erwähnten 4.0-Begriffe, wird sie als „industriell-dreifaltige Vernetzung“ von Mensch, Maschine und Produkt mittels Internet in Echtzeit charakterisiert. Bei gleichzeitiger dezentraler Steuerung soll die Produktion weitaus schneller und flexibler werden. Nicht mehr die Menschen bestimmen über den Einsatz der Maschinen, sondern die Maschinen selbst wissen, welche Tätigkeiten zu bewerkstelligen sind (vgl. Krzywdzinski et al 2015, S. 6). Die Formulierung des Begriffs der Revolution im Zusammenhang mit den neuesten Entwicklungen im technologischen Bereich wird von verschiedenen Stellen kritisiert. Dabei wird argumentiert, dass die 4.0-Entwicklungen „Hype“ und „Märchen“ sind und als „Strategie der Verunsicherung“ dienen (siehe dazu Dimmel 2017, S. 15 f.) Es wird aufgrund von fehlenden tiefgreifenden Veränderung von gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen und der Weiterentwicklung von bereits bestehenden (Daten- und Kommunikations-)Technologien auf eine Evolution anstatt einer Revolution verwiesen (siehe dazu Ahrens 2012, S. 30 f.). Dem Evolutionsgedanken widerspricht u.a. Precht sehr deutlich, indem er schreibt: „Die Digitalisierung ist nicht einfach eine weitere Effizienzsteigerung unseres Wirtschaftens auf einem bekannten Pfad. Es ist die größte Veränderung unseres Wirtschaftens seit zweihundertfünfzig Jahren! Es ist ein Lebens- und Wertewandel in welthistorischer Dimension.“ (2018, S. 40). Den einzigen Unterschied zu früheren Revolutionen sieht er in der Tatsache, dass kein neuer Tätigkeitsbereich entsteht, sondern der bereits bestehende effektiver wird (vgl. ebd., S. 29). Fakt ist, die 4.0-Begriffe sind in aller Munde und die technologischen Entwicklungen werden die Arbeitswelt in der Zukunft maßgeblich beeinflussen. Was vielerorts jedoch in der Technologiediskussion fehlt, ist der Glaube an eine Mitbestimmung der Veränderung. Die Gesellschaft steht an einem absoluten Wendepunkt, auf dem es wichtig ist, an die Chance des Gestaltens der Zukunft zu glauben (vgl. ebd., S. 11).

Im nächsten Schritt gilt es demnach zu klären, was sich genau hinter dieser (revolutionären) Idee der vierten industriellen Revolution verbirgt und welche Auswirkungen diese auf die menschliche Arbeitskraft am zukünftigen Arbeitsmarkt haben. Schlussendlich sollen die Chancen für die jungen Arbeitnehmer/-innen am zukünftigen Arbeitsmarkt analysiert werden. Dabei wird, wie zuvor bereits erwähnt, ein besonderes Augenmerk auf jene Jugendlichen gerichtet, die gesamtgesellschaftlich gesehen von sozialer und bildungspolitischer Ausgrenzung bedroht sind.

Den gesamten Artikel von Martin Mahringer lesen Sie in der nächsten Ausgabe des WISO-Magazins, welches im Oktober 2018 erscheinen wird.

Kontakt:
Martin Mahringer
Arbeiterkammer Oberösterreich
Abt. Bildung, Jugend und Kultur
Volksgartenstraße 40, 4020 Linz
mail: mahringer.m@akooe.at

Passend zu diesem Artikel findet am 29. Oktober 2018 die Abschlusskonferenz

„Smarte Jugend! Smarte Zukunft? Zwischen Hype & Hysterie“

der Veranstaltungsreihe „Ausgrenzungsgefährdete Jugendliche im Zeitalter der Digitalisierung“ in der Arbeiterkammer Linz statt. Nähere Informationen sowie das Programm finden sich HIER.

 

Literaturverzeichnis:

Ahrens, Volker (2012): Inflation industrieller Revolutionen. In: Productivity Management (5/2012).

Bauer, Joachim (2013): Arbeit. Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht. 1. Aufl. München: Blessing.

Czeike, Felix (2004): Historisches Lexikon Wien. In 6 Bänden. Wien: Kremayr & Scheriau.

Daft, Richard L.; Kendrick, Martin; Vershinina, Natalia (2010): Management. Fort Worth, TX.: The Dryden Press.

Dimmel, Nikolaus (2017): Arbeit 4.0 – Ein Hype. In: Streifzüge – Maganzizierte Transformationslust (71).

Dirschmied, Karl; Nöstlinger, Walter (2002): Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz. Gesetze und Kommentare. Wien: ÖGB Verlag; ÖGB-Verl. (Gesetze und Kommentare, Nr. 12).

Faderl, Florian; Hagemann, Frauke; Rieger, Katja (2016): Sozialgeschichte. Hg. v. Stiftung Jugend und Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Eduversum GmbH. Wiesbaden. Online verfügbar unter https://www.sozialpolitik.com/artikel/von-der-ausbeutung-zum-kinder-und-jugendschutz.

Krzywdzinski, Martin; Jürgens, Ulrich; Pfeiffer, Sabine (2015): Die vierte Revolution. Wandel der Produktionsarbeit im Digitalisierungszeitalter. In: WZB-Mitteilungen (149), S. 6–9. Online verfügbar unter http://fgw-nrw.de/fileadmin/user_upload/SP-Die_vierte_Revolution.pdf.

Müller-Jentsch, Walther (2017): Strukturwandel der industriellen Beziehungen. ‚Industrial citizenship‘ zwischen Markt und Regulierung. Wiesbaden: Springer VS (Studientexte zur Soziologie).

Precht, Richard David (2018): Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft. München: Goldmann.

AK-Bildungsmonitor 2018: Früher Ausbildungsabbruch und Bildungskarrieren

AK-Bildungsmonitor 2018: Früher Ausbildungsabbruch und Bildungskarrieren

Jährlich brechen in Oberösterreich rund 3.000 junge Menschen ihre berufliche oder schulische Ausbildung vorzeitig ab. Das hat weitreichende gesellschaftliche Folgen. Junge Bildungsabbrecher/-innen schaffen oft den Einstieg ins Berufsleben nicht, haben ein höheres Risiko, arbeitslos und sozial ausgegrenzt zu werden. Das zeigt der neue Bildungsmonitor 2018 der AK Oberösterreich.

„Dass jährlich tausende Jugendliche ohne Abschluss aus dem Bildungssystem fallen, birgt sozialen Sprengstoff. Wir müssen daher weitere innovative Wege für Jugendliche, die eine Ausbildung abgebrochen haben, eröffnen. Es braucht einerseits außerschulische Maßnahmen und andererseits bessere Um- und Wiedereinstiegsmöglichkeiten für frühe Bildungsabbrecher in den Schulen“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Erhöhtes Arbeitsmarktrisiko für Pflichtschulabsolventen

Jugendliche, die früh ihre Ausbildung abbrechen, haben ein erhöhtes Arbeitsmarktrisiko, tun sich häufig sehr schwer beim Berufseinstieg und schaffen es kaum, an gesellschaftlichen Prozessen teilzuhaben. Mit maximal Pflichtschulabschluss ist das Risiko, arbeitslos zu werden, im Durchschnitt rund viermal so hoch wie bei Fachkräften mit Lehrabschluss oder fast zehnmal so hoch wie bei Personen mit Hochschulabschluss.

Der frühzeitige Ausbildungsabbruch zeigt verschiedene Gesichter: Eines davon ist frühzeitige Abbruch beziehungsweise erfolgloser Abschluss einer Lehre, der in Oberösterreich jährlich über 1.200 Jugendliche betrifft. Ohne Berücksichtigung überbetrieblicher Lehrausbildung sind das mehr als 16 Prozent aller Lehrlinge.

Etwa 1.000 der frühen Bildungsabbrecher/-innen verlassen die Schule unmittelbar nach Erfüllung der Schulpflicht. Der restliche Anteil umfasst Schulabbrüche ab der 10. Schulstufe. Ein beträchtlicher Anteil junger Menschen wechselt zudem in eine andere Ausbildung, etwa von einer HAK in eine HAS oder in eine Lehre. Im Durchschnitt – das heißt quer über alle Ausbildungen – beträgt die Umstiegsquote zirka 29 Prozent. Bei höheren Ausbildungen sind Aus- und Umstiegsrate deutlich niedriger als in Fachschulen und Lehre.

Hälfte der Pflichtschulabsolventen ohne Job

Rund 18 Prozent der 20- bis 24-jährigen Bevölkerung in Oberösterreich haben maximal Pflichtschulabschluss. Rechnet man jene heraus, die noch beziehungsweise wieder in Ausbildung stehen, sind es immer noch 14,3 Prozent. Knapp die Hälfte von ihnen ist weder beschäftigt noch in AMS-Schulung oder Ausbildung. „Angesichts dieser Zahlen müssten bei allen Politikerinnen und Politikern die Alarmglocken läuten. Da haben wir dringenden Handlungsbedarf“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Elementarbildung ausbauen

Neben arbeitsmarktpolitischen „Reparaturen“ sind vor allem bildungspolitische Maßnahmen unverzichtbar. Bereits der AK-Bildungsmonitor 2016 hat zahlreiche Lösungsansätze zur Drop-Out-Vorbeugung aufgezählt: Die Elementarbildung muss ausgebaut werden.

„Wir brauchen eine maßgeschneiderte schulische Individualförderung im Rahmen einer gemeinsamen Schule für alle 6- bis 15-Jährigen anstelle der verfrühten Selektion nach der Volksschule“, sagt Kalliauer. Von besonderer Bedeutung ist eine Mittelzuweisung an die Schulen, der die besonderen sozialen Herausforderungen an den Standorten berücksichtigt.

„Auch die Anerkennungsverfahren für in der Praxis bereits informell erworbene Kompetenzen müssen ausgebaut und bundesweit vereinheitlicht werden. Das Ziel muss der Berufsabschluss sein “, sagt AK-Präsident Kalliauer und nennt die maßgeblich von der AK Oberösterreich initiierte Maßnahme „Du kannst was!“ als Musterbeispiel.

Download „AK-Bildungsmonitor 2018“

Jugendliche am Arbeitsplatz: Was wirklich wichtig ist

Die vorliegende Broschüre soll einen Überblick über die wichtigsten Vorschriften im Bereich der Lehrlingsausbildung sowie der Beschäftigung von jugendlichen Arbeitnehmer/-innen geben, deren ordnungsgemäße Einhaltung für den Bestand eines Lehr- oder Arbeitsvertrages wichtig ist.

Im Februar 2018 von der AK Wien veröffentlicht.

Download der Broschüre

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Reden wir über den Arbeitsmarkt und nicht über Pensionen

Beitrag von Dennis Tamesberger
(Referent für Arbeitsmarktpolitik der Abt. Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik der Arbeiterkammer OÖ)

Wenn es um die Pensionen geht, wird ein Thema allzu voreilig an den Rand geschoben: der Arbeitsmarkt. Dabei müsste dieser bei jeglicher Diskussion über die Pensionen im Mittelpunkt stehen. Junge Menschen sind mit einer äußerst schwierigen Arbeitsmarktsituation konfrontiert. Dies gefährdet ihre aktuellen Arbeits- und Lebenschancen, aber auch ihre Absicherung im Alter.

Generationengerechtigkeit beginnt am Arbeitsmarkt

In Zusammenhang mit dem demografischen Wandel, der sich durch die an sich positive Entwicklung kennzeichnet, dass mehr Menschen länger leben, wird rund um die Finanzierung des Pensionssystems „mantrahaftig“ der Begriff der Generationsgerechtigkeit getrommelt. Dabei wird unterstellt und propagiert, dass aufgrund der höheren Zahl an PensionsbezieherInnen die Finanzierung der Pensionen gefährdet ist und somit die Jugend von heute um ihre Pensionen fürchten muss. Im Sinne eines Generationsvertrages erscheint dies als ungerecht, so der Wortlaut. Völlig außer Acht lässt dieses Verständnis einer Generationsgerechtigkeit, dass für die Finanzierung des Pensionssystems der Arbeitsmarkt entscheidend ist. Anders ausgedrückt: Es geht darum wie viele Menschen wie ins Erwerbssystem integriert sind. Und gerade in Bezug auf die Integration in die Arbeitswelt fühlen sich viele junge Menschen in Europa von der Politik und Gesellschaft „alleingelassen“ und ausgenutzt.

Problem Arbeitslosigkeit

Junge Menschen zählen zu den Erst- und Hauptbetroffenen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Seit nun fast acht Jahren hat sich die Situation am Arbeitsmarkt kaum verbessert. Die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen ist nach wie vor auf Rekordniveau. In der EU 28 waren im Jahr 2015 fast 5 Millionen Menschen unter 25 Jahren ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen stieg seit dem Jahr 2008 von 15,9% auf 20,3% in der EU-28. In vielen Europäischen Ländern kletterte die Jugendarbeitslosenquote sogar über die dramatische 30%-Schwelle. Besonders problematisch ist die Verfestigung der Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen. In den Ländern Bulgarien, Griechenland, Spanien, Kroatien, Italien und Slowakei ist fast jede/r zweite arbeitslose Jugendliche bereits länger als 12 Monate arbeitslos. Die Konsequenzen von Langzeitarbeitslosigkeit sind umfassend erforscht und verdeutlichen, dass ehemalige arbeitslose Jugendliche die negativen Folgen der Desintegration oft bis zu 20 Jahre nach der Arbeitslosigkeitserfahrung noch spüren. In der Literatur wird von „scarring effects“ gesprochen, also -sogenannte Narben, die den Jugendlichen aufgrund der Arbeitslosigkeitserfahrungen lange anhaften. Dies schränkt in der Zukunft Beschäftigungs- und Einkommenschancen ein, erhöht ein wiederkehrendes Arbeitslosigkeitsrisiko und führt zu Dequalifizierung. Darüber hinaus kann die Arbeitslosigkeitserfahrung zu einem schlechteren Gesundheitszustand und einer geringeren Lebenszufriedenheit beitragen. In einem umlagefinanzierten System wirken sich diese Effekte negative auf die individuellen Pensionsleistungen aus und dem Pensionssystem an sich entgehen Beitragszahlungen. Aber auch für ein kapitalgedecktes Pensionssystem birgt eine hohe Arbeitslosigkeit Gefahren in sich, da arbeitslose Jugendliche vermutlich kaum in der Lage sind privat für die Altersvorsorge anzusparen. Jugendliche haben entweder keinen Anspruch oder nur ein sehr geringes Arbeitslosengeld, was hauptsächlich für die Deckung der untermittelbaren Bedürfnisse benötigt wird. Damit werden durch das Phänomen der Jugendarbeitslosigkeit nicht nur Talente und Fähigkeiten von Jugendlichen verschwendet, sondern es kann auch zum Bumerang für die Finanzierung von Pensionssystemen – sowohl von Privaten als auch von Öffentlichen – werden.

Problem atypische Beschäftigungsverhältnisse

Der abrupte Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit beim Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise steht in engem Zusammenhang mit den unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Für viele junge Menschen beginnt die Berufslaufbahn mit atypischen Beschäftigungsformen, die sich durch befristete Verträge und wenig arbeits- und sozialrechtliche Absicherung kennzeichnen. Wie die Krise gezeigt hat, führen diese Beschäftigungsformen dazu, dass Jugendliche zu jenen Beschäftigungsgruppe zählen, die als erste den Job verlieren. Im Jahr 2008 hatten vor allem die Länder Slowenien (69,8%), Polen (62,8%), Spanien (59,2%), Portugal (54,6%), Schweden (53,6%) aber auch Deutschland (56,7%) extrem hohe Anteile an befristeten Beschäftigungsverhältnissen unter Jugendlichen. In Österreich lag der Anteil befristeten Beschäftigungsverhältnissen bei 34,8%. Auffallend ist, dass sich seit Beginn der Krise die befristeten Beschäftigungen noch deutlich zugenommen haben. Im EU-Durschnitt stieg der Anteil an befristeten Beschäftigungsverhältnissen unter Jugendlichen von 40,2% im Jahr 2008 auf 43,4% im Jahr 2014. In Spanien gab es einen enormen Anstieg von 59,2% auf 69,1%. Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei Teilzeitbeschäftigten. Seit dem Jahr 2008 hat nicht nur die Teilzeitbeschäftigung unter Jugendlichen generell zugenommen, sondern insbesondere die unfreiwillige Teilzeitarbeit. Besonders dramatisch war der Anstieg an unfreiwilliger Teilzeitbeschäftigung in den Ländern Italien (von 52,6% auf 82,9%), Griechenland (von 46,8% auf 66,2%), Zypern (von 39,2 auf 65,6%) und in Spanien (von 32,7% auf 59,1%). Dies bedeutet, dass angesichts der enormen Knappheit an Arbeitsplätzen, sich die prekäre Position von Jugendlichen noch mal verschärft und Arbeitsverhältnisse angenommen werden müssen, die nur geringe Pensionsleistungen in Aussicht stellen.

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Problem Austeritätspolitik

Die eingeschlagene Austeritätspolitik in vielen Europäischen Länder führt zu Kürzungen von Staatsausgaben, die nicht nur die öffentliche Nachfrage senken und die Konjunkturentwicklung schwächen, sondern zusätzlich noch die politische Handlungsmöglichkeiten zur Bekämpfung der Ursachen von Jugendarbeitslosigkeit einschränkt. Ein kürzlich veröffentliche Studie vom Think Tank Bruegel betont, dass es in der EU zu Kürzungen der Staatsausgaben insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Familienförderung gekommen ist. Also jene Bereiche von denen Jugendliche besonders betroffen sind. Vor dem Hintergrund des Strukturwandels und dem hohen Arbeitslosigkeitsrisikos von Geringqualifizierten wären höhere öffentliche Investitionen in die Bildung angezeigt. Ähnlich scheint eine Intensivierung der Gesundheitspolitik angesichts der gut nachgewiesen Zusammenhängen zwischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Desintegration in der Arbeitswelt, notwendig. Einen Teil der jungen Menschen hindert auch eine fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeit an einer Erwerbstätigkeit. Ein Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten würde die Vereinbarkeit von jungen Familien und Beruf erleichtern und zusätzlich Arbeitsplätze schaffen (siehe dazu den Blog-Beitrag von Sybille Pirklbauer). Kürzungen in diesen Bereichen wirken sich somit negative auf die Arbeitsmarktchancen aus, was wiederum negativ Konsequenzen auf die Pensionssysteme hat.

 Vollbeschäftigung muss höchste Priorität haben

Die Zusammenhänge zwischen dem Pensionssystem und des Arbeitsmarktes offenbaren eine klare Prioritätensetzung. Oberste Priorität muss eine auf Vollbeschäftigung orientierte Politik haben, die die Qualität der Beschäftigungsverhältnisse nicht außer Acht lässt. Der Weg dorthin wird aber nur über mehr – und nicht weniger – öffentliche Investitionen gelingen. Sind die Herausforderungen am Arbeitsmarkt einmal im Griff, werde sich die Fragen Generationengerechtigkeit des Pensionssystems wie von selbst lösen.

Weiterführender Link:

Soziale Exklusion von Jugendlichen in Österreich. Vorschlag für einen Index zur Messung der Ausgrenzungsgefährdung von Jugendlichen

Soziale Exklusion von Jugendlichen in Österreich. Vorschlag für einen Index zur Messung der Ausgrenzungsgefährdung von Jugendlichen

Soziale Exklusion von Jugendlichen in Österreich

von Bacher, J., Tamesberger, D. (2016)

NEET-Indikator ist etabliert

Der NEET-Indikator (Neither in Employment nor Education and Training) hat sich in der Arbeitsmarkt- und Sozialberichterstattung als Indikator für die Ausgrenzungsgefährdung von Jugendlichen etabliert (Eurofound 2011; EK 2011a und 2011b; ILO 2015; OECD 2014).

Eurostat berichtet regelmäßig zeitnah die Werte der EU-Länder. 2015 betrug die NEET-Rate 12,0% im Durchschnitt für alle 28 EU-Ländern. Die höchsten Raten weisen Italien (21,4%), Bulgarien (19,3%) und Kroatien (18,5%) auf, ihnen stehen als Länder mit den geringsten NEET-Raten Island (4,6%), die Niederlande (4,7%) und Norwegen (5,0%) gegenüber. Für Österreich wird eine NEET-Rate von 6,7% ausgewiesen. Österreich rückt damit stärker ins Mittelfeld. Auch Dänemark, Luxemburg und Deutschland haben mit jeweils 6,2% eine geringere NEET-Rate.

NEET-Indikator weist Schwächen auf

Dennoch hat der Indikator auch seine Schwächen (siehe dazu u.a. Finlay et al. 2010; Furlong 2006 und 2007; Tamesberger und Bacher 2014; Serracant 2014; Steiner et al. 2015; Yates und Payne 2006). Zum einen ist er zu heterogen, zum anderen zu spezifisch.

EXCLU – ein Index zur Messung der Ausgrenzungsgefährdung von Jugendlichen

Ausgangsüberlegung bei der Konstruktion des Index war, dass er im Unterschied zum NEET-Indikator weitere Ausgrenzungsrisiken miterfassen sollte. Zugleich bestand die Zielsetzung, dass der Index mithilfe des Mikrozensus berechnet werden kann, um an bisherige Forschungsarbeiten zur sozialen Ausgrenzung (z.B. Eurofound 2015) anschließen zu können und um im Unterschied zum BiBer internationale Vergleiche zu ermöglichen.

Entsprechend der oben angeführten Kritik wurden daher neben dem NEET-Status der frühe Schulabgang (EARLY) und eine prekäre Beschäftigung (PREC) einbezogen.

Zahl der ausgrenzungsgefährdeten Jugendlichen

Der Anteil der ausgrenzungsgefährdeten Jugendlichen variiert im Zeitraum von 2006 bis 2014 von 11,4% bis 13,9%. Der höchste Wert von 13,9% wird am Beginn der Krise im Jahr 2008 erreicht. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass bei der noch guten Konjunkturlage im Jahr 2008 Jugendliche vor allem Zugang zu prekären Beschäftigungsverhältnissen hatten und der Index dadurch erhöht wurde. Der Indexwert verbleibt dann in den beiden Folgejahren in etwa auf diesem hohen Niveau und reduziert sich ab 2009 schrittweise auf einen Wert von 11,5% im Jahr 2012. Zwischen 2013 und 2014 zeigt sich ein erneuter Anstieg auf 11,9%.

Im Jahresdurchschnitt sind im Zeitraum von 2006 bis 2014 12,7% der Jugendlichen von Ausgrenzung gefährdet, davon weisen 8,9% ein mittleres Risiko und 3,8% ein hohes Risiko auf.

Fazit und abschließende Diskussion

Der NEET-Indikator ist im Unterschied zum Arbeitslosigkeitskonzept in der Lage, auch Jugendliche zu erfassen, die sich vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben. Gleichzeitig führt diese Erweiterung zu einer oft angeführten Schwäche des NEET-Indikators, nämlich seiner Heterogenität. Er ist daher kaum geeignet, zielgruppenspezifische Programme abzuleiten, die eine Homogenität der Zielgruppen voraussetzen, wenn sie erfolgreich sein sollen. Dieser Kritik lässt sich dadurch Rechnung tragen,  dass mittels klassifikatorischer Verfahren die Gruppe der NEET-Jugendlichen in homogene Teilgruppen zerlegt wird.

Obwohl der NEET-Indikator mit den inaktiven Jugendlichen, die sich vom Arbeitsmarkt und Bildungssystem zurückgezogen haben, mehr ausgrenzungsgefährdete Jugendliche erfasst, lässt er eine Gruppe von potentiell ausgrenzungsgefährdeten Jugendlichen außen vor, nämlich prekär beschäftigte Jugendliche.

Dem trägt der hier vorgeschlagene Index der sozialen Ausgrenzungsgefährdung Rechnung. Er betrachtet Jugendliche als ausgrenzungsgefährdet, die sich in einem NEET-Status befinden, prekär beschäftigt sind und/oder die Schule frühzeitig beendet haben.

Im Zeitraum von 2006 bis 2014 waren im Jahresdurchschnitt rund 128.000 Jugendliche von sozialer Ausgrenzung betroffen. Das sind 12,7% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Bei rund 90.000 Jugendlichen kann von einer mittleren und bei 38.000 Jugendlichen von einer hohen Ausgrenzungsgefahr ausgegangen werden.

Jugendliche, die von sozialer Ausgrenzung betroffen sind, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer sozial-strukturellen Merkmale von Jugendlichen ohne Ausgrenzungsrisiko. Sie leben häufiger in Städten, haben häufiger keine österreichische Staatsbürgerschaft und wurden seltener in Österreich geboren.

Der soziale Exklusionsindikator kann Arbeitslosigkeit oder einen NEET-Status in den Folgequartalen prognostizieren. Er ist jedoch wie die Indikatoren NEET und Früher Schulabgang nicht in der Lage, eine prekäre Beschäftigung vorauszusagen. Als Ursache kann hierfür angenommen werden, dass die Gruppe der prekär Beschäftigten sehr heterogen ist und die Ursachen für diese Beschäftigungsverhältnisse sehr unterschiedlich sind. Dies wirft für weitere Forschungen die Frage auf, welche sozial-strukturellen Merkmale prekär beschäftigte Jugendliche charakterisieren und ob ihre prekäre Beschäftigung ein Türöffner für eine reguläre Beschäftigung ist oder sich die prekäre Beschäftigung verfestigt und somit als Sackgasse erweist.

 

Hier der Link zum vollständigen WISO-Beitrag.

Digitale Kompetenzen für eine digitalisierte Lebenswelt

Digitale Kompetenzen für eine digitalisierte Lebenswelt

Die Digitalisierung eröffnet neue Chancen in der Bildung, aber diese sind nicht für alle gleich

Passend zur Reihe „Jugend und Digitalisierung“, die mit den beiden kommenden Veranstaltungen am 15. März 2018 in Altheim sowie am 28. Juni 2018 in Gmunden in die nächste Runde geht, wurden die Ergebnisse einer aktuellen Jugendstudie der AK Wien veröffentlicht. Die Studie, welche vom Institut für Jugendkulturforschung durchgeführt wurde, beleuchtet die Bildungsgerechtigkeit im Zeitalter der Digitalisierung.

Dass heute praktisch jede/r Jugendliche über einen Internetzugang verfügt und digitale Angebote nutzt, bedeutet noch nicht, dass alle diese User über die Fähigkeit verfügen, Inhalte aus diesen Medien auch kritisch rezipieren zu können, das heißt, über die notwendigen digitalen Kompetenzen zu verfügen, derer es in diesem hochkomplexen Umfeld bedarf. Neben dem Alter dürften auch Faktoren wie Milieuzugehörigkeit, soziale Lage etc. maßgeblich dazu beitragen, dass sich zwischen mehr und weniger souveränen Nutzerinnen und Nutzer dieser Angebote eine digitale Kluft auftut bzw. dass es vermittelt über bestehende bzw. nicht-bestehende Kompetenzen zu einer digitalen Spaltung kommt.

Die Arbeiterkammer Wien hat in einer empirischen Studie untersucht, wie es um die digitalen Kompetenzen Jugendlicher, das ist in diesem Fall die Altersgruppe der 15- bis 19jährigen, bestellt ist. Dabei geht es zum einen um die Frage, wie sich Jugendliche in einem ständig in Veränderung begriffenen Feld wie dem der digitalen Medien digitale Kompetenzen aneignen. Zum anderen soll die Frage beantwortet werden, wo innerhalb der jungen Altersgruppe eine digitale Spaltung gegeben ist bzw. wo Unterschiede hinsichtlich Nutzungsgewohnheiten und digitaler Kompetenzen innerhalb dieser Gruppe festzustellen sind.

Links:
Langfassung (83 Seiten)
Kurzfassung (24 Seiten)

Berufsschule: Alles, was wir darüber wissen sollten

Berufsschule: Alles, was wir darüber wissen sollten

Berufsschule

Die Berufsschule ist – neben dem Lehrbetrieb – der zweite Partner des Lehrlings bei der dualen Ausbildung. Sie hat die Aufgabe, den berufsschulpflichtigen Personen in einem berufsbegleitenden, fachlich einschlägigen Unterricht

  • grundlegende theoretische Kenntnisse zu vermitteln,
  • die betriebliche Ausbildung zu fördern und zu ergänzen sowie
  • die Allgemeinbildung zu erweitern.

Berufsschulpflichtig sind alle Lehrlinge, aber auch jene jungen Leute, die in besonderen selbstständigen Ausbildungseinrichtungen oder im Rahmen der integrativen Berufsausbildung ausgebildet werden.

Berufsschularten in Oberösterreich

  • Ganzjährige Berufsschulen (1 oder 1 ½ Tage pro Woche)
  • Lehrgangsmäßige Berufsschulen (4-, 5-, 8-,10-, 12-, 14- und 15-Wochen-Lehrgänge)
Damit nichts schief geht:

Erkundigen Sie sich vor Antritt des Lehrverhältnisses über Standort und Art der Berufsschule (Lehrgang oder Jahresunterricht)! Bleiben Sie der Berufsschule nie unentschuldigt fern. Ansonsten riskieren Sie eine vorzeitige Auflösung des Lehrverhältnisses (Entlassung).

Bei lehrgangsmäßigem Besuch der Berufsschule:

  • Achten Sie darauf, dass Sie in jedem Lehrjahr rechtzeitig in die jeweilige Klasse einberufen werden!
  • Informieren Sie sich, ob es im Kollektivvertrag, der für Ihren Betrieb zutrifft, eine Sonderregelung bezüglich Internatskosten gibt!

Welche Berufsschule muss ich wann besuchen?

Welcher Lehrberuf welcher oberösterreichischen Berufsschule zugeordnet ist sowie alles Wissenswerte über die Schule selbst (z.B. Adresse, Telefonnummer) erfahren Sie auf der Website des oö. Landesschulrates.

Alle Berufsschulen in den Bundesländern sind online unter „Berufsschulen in Österreich“ abrufbar.

Welcher Tag der Woche für den Lehrling der Berufsschultag ist bzw. zu welchem Termin der Lehrgang stattfindet, legt die jeweilige Berufsschule fest. Auf berechtigte, rechtzeitig bekannt gegebene und umsetzbare Wünsche des Lehrberechtigten oder des Lehrlings wird jedoch Rücksicht genommen.

Wer meldet mich wann bei der Berufsschule an?

Der Lehrberechtigte ist verpflichtet, seinen Lehrling binnen zwei Wochen ab Beginn des Lehrverhältnisses bei der zuständigen Berufsschule anzumelden. Erfolgt die Anmeldung gar nicht oder zu spät, macht sich der Lehrberechtigte strafbar.

Wodurch kann ich vom Besuch der Berufsschule befreit werden?

Eine Befreiung von der Berufsschulpflicht ist möglich,

  • wenn der Lehrling eine dem Lehrplan entsprechende oder gleichwertige Ausbildung bereits erfolgreich abgeschlossen hat.
  • wenn gesundheitliche, wirtschaftliche, soziale oder sonstige in der Person des Lehrlings liegende Gründe vorhanden sind.

Erkundigen Sie sich im Einzelfall bei der Schulleitung oder beim Landesschulrat.

Wie viel kostet das Berufsschul-Internat und muss ich dort wohnen?

Sie müssen sich dann im Internat einquartieren, wenn Sie die Berufsschulpflicht nur auf diese Weise erfüllen können. Ist die tägliche An- und Rückreise zumutbar oder beziehen Sie ein Privatquartier am Schulstandort, entfällt diese Verpflichtung.

Die Kosten für die Unterbringung und Verpflegung im Internat sind ab 01.01.2018 vom Lehrberechtigten zu tragen. Die Lehrlingsentschädigung bleibt dem Lehrling für diesen Zeitraum in vollem Umfang erhalten.

Welche Gegenstände enthält der Berufsschullehrplan?

Für jeden Lehrberuf gibt es einen eigenen Rahmen- und Landeslehrplan. Dieser enthält

  • Pflichtgegenstände: Deutsch und Kommunikation, Politische Bildung, Religion, berufsbezogene Fremdsprache, betriebswirtschaftliche und die für den jeweiligen Lehrberuf erforderlichen theoretischen und praktischen Unterrichtsgegenstände
  • unverbindliche Übungen: z.B. Leibesübungen
  • Freigegenstände: z.B. Fremdsprache

Besuch der Berufsschule ohne Lehrvertrag

Günther H.:

Ich habe vor einem halben Jahr eine Maurerlehre begonnen. Jetzt wurde mein Lehrverhältnis vorzeitig aufgelöst und ich finde keinen neuen Lehrplatz. Kann ich weiterhin in die Berufsschule gehen?

  • Berufsschüler/-innen deren Lehrverhältnis während eines Schuljahres geendet hat, sind berechtigt (= ordentliche Schüler/-innen), bis zum Ende dieses Schuljahres die Berufsschule zu besuchen, sofern sie nicht die letzte lehrplanmäßig vorgeschriebene Schulstufe erfolgreich abgeschlossen haben (§ 21 Abs. 2 SchPflG).

Michael S.:

Ich erlerne einen dreijährigen Lehrberuf. Gegen Ende des zweiten Lehrjahres wurde das Lehrverhältnis vorzeitig aufgelöst und ich finde keine neue Lehrstelle. Kann ich die zweite Klasse weiterbesuchen und auch die dritte Klasse absolvieren?

  • Berufsschüler/-innen, die die Zurücklegung von mindestens der Hälfte der für den Lehrberuf festgesetzten Lehrzeit nachweisen und glaubhaft machen, dass sie einen Lehrvertrag für die restliche Dauer der Lehrzeit nicht abschließen können, sind berechtigt (= ordentliche Schüler/-innen) die Berufsschule während jener Zeit zu besuchen, während der sie bei aufrechten Lehrverhältnis zum Berufsschulbesuch verpflichtet gewesen wären (§ 21 Abs. 2 SchPflG).

Veronika G.:

Mein Lehrverhältnis ist beendet, ich habe aber wegen der Wiederholung einer Schulstufe die letzte Klasse der Berufsschule nicht erfolgreich abgeschlossen. Kann ich die letzte Klasse der Berufsschule trotzdem – als ordentliche Schülerin – besuchen?

  • Schüler/-innen von Berufsschulen, die nach Beendigung des Lehrverhältnisses infolge von Wiederholen einer Schulstufe die Berufsschule nicht abgeschlossen haben, sind berechtigt (= ordentliche Schüler/-innen), mit Zustimmung des Schulerhalters (Land OÖ) sowie mit Bewilligung der Schulbehörde erster Instanz die letzte Stufe der Berufsschule zum Zweck der Erlangung eines erfolgreichen Berufsschulabschlusses zu besuchen(§ 32 Abs 3a SchUG).

In anders gelagerten Fällen besteht die Möglichkeit, die Berufsschule als außerordentliche Schülerin/außerordentlicher Schüler zu besuchen. Die Zustimmung des Schulerhalters und eine Anhörung des Landesschulrates ist dafür erforderlich.

Den Antrag können Sie von der Homepage des Landesschulrates downloaden.

Der Artikel auf der Homepage der Arbeiterkammer OÖ

Psychische und physische Gesundheitsbeeinträchtigungen im Jugendalter

Psychische und physische Gesundheitsbeeinträchtigungen im Jugendalter
Beitrag von Dennis Tamesberger
(Referent für Arbeitsmarktpolitik der Abt. Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik der Arbeiterkammer OÖ)

Fehlende Arbeitsmarktintegration als Folge oder Ursache psychischer Beeinträchtigungen?

Jugendliche, die mit psychischen Problemen kämpfen, fallen häufig aus dem Arbeitsmarkt heraus. Umgekehrt nehmen durch Inaktivität und Frustration auch die psychischen Probleme zu. Ein Teufelskreis, der bis jetzt wenig Beachtung gefunden hat. Eine aktuelle Studie der Uni Linz hat erstmals die Zusammenhänge für Österreich analysiert.

Die vom BMASK im Jahr 2015 beauftragte Studie „Psychische und physische Gesundheitsbeeinträchtigungen im Jugendalter“ untersucht den Zusammenhang von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und NEET-Status von Jugendlichen und Jungerwachsenen. Die Studie wurde unter der Leitung von Prof. Bacher (JKU) und vom IBE von April 2015 bis Februar 2016 durchgeführt.

Rund 3,6 % der Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren (etwa 40.000 Jugendliche in Österreich) leiden unter chronischen psychischen Beeinträchtigungen, d.h. unter zumindest einer Beeinträchtigung, die mindestens sechs Monate andauert, wie z.B. bei Depressionen. Von physischen Beeinträchtigungen betroffen sind 17,7 % bzw. 180.000 Jugendliche. Von chronischen Beeinträchtigungen insgesamt (psychisch und/oder physisch) ist etwa jede/jeder fünfte Jugendliche betroffen, absolut etwa 200.000.

NEET-Jugendliche

Sowohl psychische als auch physische Beeinträchtigungen treten bei NEET-Jugendlichen häufiger auf. 15,1 % der NEET-Jugendlichen sind von psychischen Beeinträchtigungen betroffen, unter den Nicht-NEET-Jugendlichen sind es 2,7 %.

Besonders stark von psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind mit 20,5 % inaktive NEET-Jugendliche. Etwas mehr als die Hälfte aller NEET-Jugendlichen gehört dieser Gruppe an, d.h. sie sind nicht aktiv auf Arbeitssuche und stehen dem Arbeitsmarkt auch nicht unmittelbar zur Verfügung.

Die Ergebnisse weisen insgesamt darauf hin, dass psychische Beeinträchtigungen erstmals biographisch früher im Lebenslauf auftreten und sich NEET-Status und psychischen Beeinträchtigungen gegenseitig verstärken. Vorliegende psychische Beeinträchtigungen erschweren den Ausstieg aus einer NEET-Situation. Die NEET-Situation wiederum verstärkt psychische Beeinträchtigungen.

Der Migrationshintergrund, das Geschlecht und das Alter sind dagegen irrelevant für das Auftreten psychischer Erkrankungen.

Ergebnisse aus den ExpertInneninterviews

Die ExpertInneninterviews berichten einen Bedarf an Beratungs-, Betreuungs- und Therapieeinrichtungen für Jugendliche mit psychischen Beeinträchtigungen. Als wichtig erachtet wird allgemein eine Angebotsstruktur, die den unterschiedlichen Schweregraden der psychischen Beeinträchtigungen Rechnung trägt und fließende Übergänge ohne große Hürden ermöglicht. Versorgungsdefizite werden auch für das System Schule genannt. Hingewiesen wird des Weiteren auf fehlende Arbeitsplätze für beeinträchtige Jugendliche sowie die Notwendigkeit früher Prävention. Als eine durchgehende Schwäche zeigt sich fehlende Kooperation und Koordination innerhalb und zwischen den Unterstützungssystemen.

Aus den Ergebnissen lässt sich zunächst ableiten, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen von Jugendlichen auch relevante arbeits- und sozialpolitische Problemsituationen darstellen, da sie quantitativ erheblich sind und im engen Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit von Jugendlichen stehen.

Lösungsvorschläge:

  • Schrittweise Integration von NEET-Jugendlichen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen in das Ausbildungs- bzw. Erwerbssystem. Dafür ist ein niedrigschwelliges, durchlässiges und mobiles Angebot an Maßnahmen notwendig, das den unterschiedlichen Schweregraden Rechnung trägt und medizinische und psychische Betreuung mit Beschäftigungsmöglichkeiten verzahnt
  • Unentgeltliche und quantitativ ausreichende Therapieangebote
  • Angebote einer stunden- oder tagesweisen Beschäftigung
  • Anhebung der Altersgrenzen bei Unterstützungsangeboten
  • eine (individuelle) Nachbetreuung von ehemaligen arbeitslosen Jugendlichen bzw. ehemaligen AMS-KursteilnehmerInnen zur Sicherung des Verbleibs im Ausbildungs- und/oder Erwerbssystem
  • Reduktion des frühen Schulabgangs
  • Ausbau von Frühen Hilfen für Familien in besonders prekären Lebenslagen bereits während der Schwangerschaft
  • Zudem sollte Familienformen und ihren sozio-ökonomischen Lagen in der Sozialpolitik ein größeres Gewicht gegeben werden, da sie Ursachen von psychischen Erkrankungen sind
  • Ein durchgehendes Optimierungspotential lässt sich hinsichtlich der Kooperationen auf allen Ebenen, auf Ebene des Bundes, der Länder und der Einrichtungen, festhalten

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