JugendNetzwerkDialoge – Die Termine für den Herbst

Die JugendNetzwerkDialoge im Herbst 2020 stehen ganz im Zeichen der Teilnehmer Kollaboration. Da es dieses Mal kein festgelegtes Thema gibt, wird stattdessen die Barcamp-Methode angewendet.

Als Barcamp versteht sich eine Methode der Veranstaltungsgestaltung. Bei herkömmlichen Tagungen und Konferenzen gibt es ein festgelegtes Thema; bei einer Barcamp Veranstaltung ist das nicht der Fall. Der Inhalt und auch der Ablauf werden direkt am Tag der Veranstaltung festgelegt. Das ist auch der Grund, warum Barcamps  Mitmach-Konferenzen oder Ad-hoc-Konferenzen genannt werden, denn die Barcamp-Methode dient vor allem dem Austausch und der Diskussion. Da die Teilnehmer grundlegend in die Veranstaltung involviert sind und sich in das Geschehen mit einbringen, werden sie auch Teilgeber genannt.

Wie schon erwähnt sind Barcamps locker organisierte Veranstaltungen, bei denen es kein vorab festgelegtes Programm gibt. Die Teilnehmer finden sich stattdessen in mehreren Kleingruppen zusammen. Dort werden die Themen besprochen, die sie beschäftigen. Nach dem Ende eines Barcamps gibt es häufig eine Feedbackrunde oder eine Zusammenfassung des Tages.

Falls Sie daran interessiert sind können sie sich hier für eine Veranstaltung, auch schon mit einem für Sie wichtigen Thema, anmelden: jugendnetzwerke@akooe.at

Hier finden sie auch noch einmal die regionalen Termine und Veranstaltungsorte:

Region Veranstaltungs-Ort Termin
Ried AK Ried Goethestraße 29, 4910 Ried 16. September 2020, 13:00-15:30 Uhr
Schärding AK Schärding Schulstraße 4, 4780 Schärding 17. September 2020, 13:00-15:30 Uhr
Wels AK Wels Roseggerstraße 8, 4600 Wels 21. September 2020, 13:00-15:30 Uhr
Braunau AK Braunau Salzburger Straße 29, 5280 Braunau 01. Oktober 2020, 13:00-15:30 Uhr
Linz AK Linz Volksgartenstraße 40, 4020 Linz 05. Oktober 2020, 13:00-15:30 Uhr
Vöcklabruck AK Vöcklabruck Ferdinand-Öttl-Straße 19, 4840 Vöcklabruck 07. Oktober 2020, 09:00-11:30 Uhr
Gmunden AK Gmunden
Herakhstraße 15b, 4810 Gmunden
08.Oktober 2020,
9:00 – 11:30 Uhr
Rohrbach|Urfahr-Umgebung AK Rohrbach
Ehrenreiterweg 17, 4150 Rohrbach
12. Oktober 2020,
13:00 – 15:30 Uhr
Linz-Land AK Linz-Land
Kremstalstraße 6, 4050 Traun
13. Oktober 2020,
13:00-15:30 Uhr
Eferding|Grieskirchen AK Grieskirchen
Manglburg 22, 4710 Grieskirchen
14. Oktober 2020,
13:00 – 15:30 Uhr
Perg|Freistadt AK Perg
Hinterbachweg 3, 4320 Perg
22. Oktober 2020,
13:00-15:30 Uhr
Steyr|Kirchdorf AK Kirchdorf
Sengsschmiedstraße 6, 4560 Kirchdorf a. d. Krems
28. Oktober 2020,
13:00 – 15:30 Uhr

 

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Veranstaltungsrückschau Ich seh‘, ich seh‘, was du nicht siehst. Potenziale und Begabungen junger Menschen entdecken und fördern!

Corona macht Lehrstellen zur Mangelware – Eine Kurzfassung

Die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich lag in den letzten Jahren unter dem EU-Schnitt. Die Zahlen dafür sind mitunter im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass viele Jugendlichen eine Lehre absolvierten. Die Corona Krise hat jedoch auch hier markante Spuren hinterlassen.

Durch den Lockdown mussten viele Betriebe ihre Arbeit einstellen. Bereits ab März konnten aber auch Lehrlinge in die Kurzarbeit geschickt werden. Diese Maßnahme verhinderte allerdings nicht dass im Mai 2020 annähernd 4000 Lehrlinge mehr auf der Suche nach einer Lehrstelle waren als noch ein Jahr zuvor. Im Juni entspannte sich die Situation zwar ein wenig, jedoch nicht so stark wie es gern gewünscht. Aktuell sind in etwa 2000 Lehrlinge mehr auf der Suche nach einer Stelle, als dies im Juni 2019 der Fall war.

Coronabedingte Lehrstellensuche betrifft besonders Tourismus, Metall- und Elektroberufe sowie Büroberufe 

Photo by Daniel Wiadro on Unsplash

Der am stärksten betroffene Sektor ist der Fremdenverkehr. Im Juni befanden sich circa 22,5 % mehr Lehrlinge auf der Suche nach einer freien Stelle, als noch ein Jahr zuvor. Der Lockdown, verordnete Schließungen, sowie generelle Nachfrageausfälle in den Monaten März, April und Mai hat in vielen Tourismusbetrieben zur Auflösung von Lehrstellen geführt.

Ähnlich drastisch wie im Fremdenverkehr verhalten sich die Lehrlingszahlen in den Metall-/ Elektroberufen (Rückgang offener Stellen: -10,9%; Anstieg an Suchenden: +36,7 %) und bei Büroberufen (Rückgang offener Stellen: -20,9%; Anstieg an Suchenden: +48,6%) . Die anherrschende Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung, der Geschäftsrückgang der letzten Monate und die Tatsache dass Homeoffice bei Lehrlingen weniger sinnvoll  ist bei Kurzarbeit gelten als Erklärungen für die vorliegenden Zahlen. Es darf dabei nicht vergessen werden, dass die Statistik noch schlimmer ausgefallen wäre wenn Lehrlinge vom Kurzarbeitsmodell ausgeschlossen worden wären.

Konkrete Maßnahmen statt kurzfristiger Rettungen

Durch die Corona-Krise hat sich gezeigt, wie wichtig aktive Arbeitsmarktpolitik ist.  Doch eine kurzfristige Rettung der bestehenden Lehrlingsplätze stellt dem eigentlichen Problem nichts gegenüber. Das blinde Vertrauen in die Wirtschaft oder großzügige Einmalzuschüsse schaffen keine neuen und notwendigen Lehrstellen. Wichtig ist dass man den Start ins Erwerbsleben erleichtert und verbessert, da bestehende Studien belegen, dass Unterbrechungen im Erwerbsleben lange Nachwirkungen haben können. Die Auswirkungen reichen von Depressionen bis zu einem Abfall des Lebenseinkommens. Daher müssen Unternehmen gerade jetzt animiert werden nicht auf Lehrlinge zu verzichten. Eine Verstärkung der Investierung in die Ausbildung von Lehrlingen steuert nicht nur gegen die momentane Krise, sondern auch gegen den generellen Fachkräftemangel.

Den ganzen Artikel zu diesem Thema von Thomas Moldaschl finden sie HIER.

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Jugendnetzwerkpartner im Fokus: Die VFQ GmbH stellt sich vor

Logo der VFQ GmbH

Die VFQ GmbH bietet im Auftrag des Landes OÖ und des AMS in ihrem Angebot „Orientierung und Lehre“ jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 23 Jahren den Einstieg in einen von vier Lehrberufen an:

  • Tischlerei
  • Tischlereitechnik-Planung
  • Informationstechnologie-Systemtechnik
  • Applikationsentwicklung

Die Teilnehmerinnen starten mit einer Orientierungsphase, während der sie ihre Fähigkeiten und Interessen reflektieren und konkrete Ziele definieren. Bei Eignung und Motivation treten die Teilnehmerinnen in die Ausbildung ein. Dabei erarbeiten sie Fähigkeiten und Fachkompetenzen, die sie in Praktika erproben und durch den Besuch der Berufsschule erweitern. Ziel ist es, im ersten Ausbildungsjahr einen Arbeitsplatz zu finden. Dieser soll so gewählt werden, dass die jungen Frauen ihre Lehre beenden und eine entsprechende Tätigkeit als Fachkraft aufnehmen.

Weitere Eindrücke gibt es auf:

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Online-JugendNetzwerkDialoge im Innviertel und Salzkammergut zu den Auswirkungen der Corona Pandemie auf Jugendliche

Über 30 Personen aus sozialen Organisationen, Institutionen, Schulen und Betrieben nahmen an zwei JugendNetzwerkDialogen zum Thema „Auswirkungen der Corona Pandemie auf Jugendliche“ teil. Zwei anstelle der ursprünglich 12 geplanten Dialoge in OÖ wurden als Online-JugendNetzwerkDialoge abgehalten. Es war dem Team des Jugendnetzwerkes ein Anliegen den Netzwerkpartnern/-innen Zeit und Raum für einen Austausch anzubieten. Das Corona-Virus hat in den vergangenen Wochen unser Leben in vielen Bereichen stark verändert. Sowohl in der Arbeitswelt, der Ausbildung und der Betreuung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind Umstellungen nötig geworden. Ausgewählte Partner/-innen gaben Einblicke, wie sich die Arbeit mit den Jugendlichen in Zeiten von „Social Distancing“, Distance Coaching, Home Office und nun wieder Rückkehr in die Einrichtungen gestaltet.

 

Die Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer, Stefan Wimmer, Martin Kamrat und Michael Weidinger gaben Einblicke in dramatische Entwicklungen am Arbeitsmarkt für Jugendliche. Im Bezirk Vöcklabruck kam es zu einer Verdreifachung der arbeitslos gemeldeten Personen unter 25 Jahren. Jugendliche mit keiner oder nur einer Ausbildung sind von Arbeitslosigkeit ganz stark betroffen. Wie sich der Lehrstellenmarkt tatsächlich entwickelt wird sich im Sommer zeigen. Die Hälfte der Betriebe in Vöcklabruck ist in Kurzarbeit und diese wird auch um drei Monate verlängert.

Netzwerkpartner/innen berichten in den Online-JugendNetzwerkDialogen von ihren Erfahrungen

Der Schulleiter der PTS Braunau, Günter Haider zeigt sich sehr erfreut, dass Schüler/-innen und Eltern die Schule und die Arbeit der Lehrer/-innen durch die Krise wertschätzen lernten. Obwohl Herr Haider ganz klar den Nutzen der Digitalisierung für die Jugendlichen erkennt, betont er stark wie wichtig die persönlichen Beziehungen in der Schule für die Kinder sind. Die Schulpsychologinnen aus beiden Gebieten wiesen darauf hin, dass die zeitliche und räumliche Beengtheit in den Familien zu vielen Spannungen zwischen Jugendlichen und Eltern führten.

Weiters brauchen junge Menschen ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Selbstorganisation um Tagesstrukturen und Motivation aufrechtzuerhalten. Ohne der verständnisvollen Unterstützung durch die Eltern schaffen es Jugendliche oftmals sehr schwer sich dazu aufzuraffen ihre täglichen Arbeitsaufträge zu erledigen. Der Grund dafür liegt oftmals beim Wegfallen der persönlichen Kontakte zu ihren Peergroups. Dazu kommen noch vielfältige Zukunftsängste. Viel Verständnis, kein Leistungsdruck und Optimismus sind sehr wichtig, um die Jugendlichen aus dieser Krisenzeit hinauszubegleiten.

Die Gesprächspartnerinnen aus den AusbildungsFit Projekten in Mattighofen, Attnang und dem Salzkammergut klagten, dass die fehlende technische Ausstattung im ländlichen Raum für viele Jugendliche eine große Herausforderung war. Fehlende Laptops und Drucker oder eine schlechte Internetverbindung waren dabei die größten Problemfelder. In vielen Familien existieren keine geeigneten Geräte oder die Jugendlichen mussten den Computer mit anderen Familienmitgliedern teilen.

Die Coaches nehmen sich viel Zeit und gehen in der Betreuung sehr individuell auf die Bedürfnisse der Jugendlichen ein. Im Vordergrund steht die Aktivierung, Gestaltung der Tagesstruktur und Bewegung der jungen Menschen. Viele meldeten zurück, dass sie sehr dankbar waren für die kreativ gestalteten Arbeitsaufträge.

Herausforderungen der Berufsschulen

In der Berufsausbildungsassistenz war es sehr herausfordernd die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Kommunikation in den Berufsschulen zu regeln. Deswegen war es auch nicht immer einfach die Lehrlinge beim Distance Learning zu unterstützen. Frau Engelhardt erkennt aber auch die Chance für manche Berufsschüler/-innen. Die Jugendlichen konnten die Arbeitsaufträge in ihrem Rhythmus und mit mehr Zeit in Ruhe erledigen. Es war eine große Herausforderung mit allen Jugendlichen, den Eltern und den Betrieben in gutem Kontakt zu sein. Weiters alle über die aktuellen Bestimmungen und Gesetze zu informieren und all den Unsicherheiten und Ängsten zu begegnen.

Die Mitarbeiterinnen von der KOST OÖ berichteten, dass im Rahmen des Ausbildungspflichtgesetzes die Fristen und auch die Sanktionen ausgesetzt waren. Die Beratungen der Jugendlichen und der Erziehungsberechtigten wurden telefonisch oder online durchgeführt.

Arbeiten in NPOs – Idealismus trifft auf Realität

Helfende Hand für jemanden der es braucht
Photo by Austin Kehmeier on Unsplash

In Österreich sind neben dem Arbeitsmarktservice (AMS) unzählige Non-Profit-Organisationen (NPO) zuständig die sich mit der Integration in den Arbeitsmarkt befassen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich jedoch ein stetig steigender Effizienzdruck in diese Organisationen eingeschlichen. Dabei  sind gerade die ArbeitnehmerInnen, die für diese Integration am Arbeitsmarkt zuständig sind, oftmals selbst von unsicheren Beschäftigungsverhältnissen betroffen.

NPOs entstanden oftmals auf dem Prinzip der Basisdemokratie, müssen aber ihre Wurzeln oftmals hinter sich zu lassen um eine Finanzierung und den damit einhergehenden Fortbestand zu sicher. Arbeiten in NPOs ist von der immer stärker werdenden Ökonomisierung des Sozialbereichs geprägt. Das führt dazu, dass deren Mitarbeiter mit einem auf ihre Arbeit negativ auswirkenden Spannungsverhältnis zu kämpfen haben.

Die Arbeit in den NPOs ist meist von Idealismus geprägt. Dieser Idealismus trifft dann aber oft auf das harte Pflaster der Realität. Auf der einen Seite will man seinen Mitmenschen helfen, auf der anderen Seite unterliegen die Mitarbeiter einem strengen Effizienzkriterienkatalog.  Mit diesen Kriterien wird die Arbeit bewertet und die Förderungen damit gerechtfertigt. Dabei sind diese Förderungen oftmals nur auf ein Jahr beschränkt. Die subjektiven Perspektiven von NPO-MitarbeiterInnen zeigen, dass eines der wichtigsten Motive für ihre Tätigkeit der Wunsch ist der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen.

Die Anpassung der Organisationsstrukturen bringt eine Bürokratisierung mit sich, die oftmals kontraproduktiv zur eigentlichen Arbeit wirkt. Es stellt sich die Frage, wie man die Ökonomisierung des Sozialbereichs rechtfertigen kann. Mitarbeiter von NPOs stehen unter dem ständigen Druck Vermittlungsquoten erfüllen zu müssen, stehen dabei aber selbst immer einer ungewissen Zukunft gegenüber, da sie auf Förderungen angewiesen sind.

Die Langfassung des Textes von Laura Vogel ist auf der Seite des A&W Blog zu finden.

Daten & Fakten – Sozialstaat als Schutzschild gegen Corona-Krise

Die Arbeiterkammer hat für Sie bezüglich der Corona-Krise Daten und Fakten gesammelt. Diese Informationen zeigen, dass der Sozialstaat als Schutzschild gegen die Krise agieren muss. Dabei liegen die Themenschwerpunkte des Infofolders auf folgenden Punkten:

  • „Faire Verteilung der Krisenkosten“
  • „EU – Solidarisch in der Krise“
  • „Budget und Schulden“
  • „Krisenanker Sozialstaat“
  • „Oberösterreichs Spitäler: Kürzungskurs beenden“
  • „Rücklagen der GKK in Oberösterreich investieren“
  • „Öffentliche Pflege massiv ausbauen!“
  • „Soziale Wohnungsoffensive“
  • „Ausbau des öffentlichen Verkehrs“
  • „Arbeitslosenversicherung schützt“

Den gesamten Folder finden sie HIER

«Digitaler Fernunterricht» während der Corona-Pandemie – Eine Kurzfassung

Sprecher am PodiumDer Bildungsforscher Dr. Stadelmann geht in seinem Artikel (die Langfassung finden sie HIER) auf die möglichen Auswirkungen der Corona Krise für Schülerinnen und Schüler ein. Da in vielen Ländern der digitale Fernunterricht zuvor nicht flächendeckend eingesetzt wurde, stehen viele Schulen vor großen Herausforderungen.

Akzeptanz und Hindernisse durch digitalen Fernunterricht

Die Akzeptanz für das neue Angebot ist zwar vielerorts vorhanden, stößt aber bei vielen Schülern und Eltern auf ganz andere Hindernisse.  Fehlende technische Infrastruktur führt dazu dass manche Schülerinnen und Schüler unfair benachteiligt werden. Nimmt man dazu noch die sozioökonomischen Nachteile, die manche Kinder generell schon erleben, spricht Dr. Stadelmann von einer sogenannten „Chancenungerechtigkeit“.  Er geht auch davon aus, dass digitales Lernen momentan zwar enormes Potenzial besitzt, warnt aber davor Rufe nach „lernen ohne Lehrer“ zu laut werden zu lassen.

Er fordert daher Chancengerechtigkeit. Das bedeutet dass jedes Kind, unabhängig von der Herkunft, dem Geschlecht, Bildungsstandard der Eltern und anderen beeinflussenden Faktoren, die Möglichkeit erhält, sein eigenes Potenzial frei zu entfalten. Dabei muss es sich optimal entwickeln mithilfe von Lehrpersonen in Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus aufwachsen.

Die Rückkehr zum Normalbetrieb als Chance sehen

Dr. Stadelmann sieht vor allem die Zeit nach Corona als sehr wichtig. Die Rückkehr zum „Normalbetrieb“ sollte von den Schulen genutzt werden. Es sollten durch Tests gestützte individuelle Standortbestimmung der Kinder durchgeführt werden. Dabei sollen keine Noten ausgeteilt werden. Die Tests sollen dazu dienen herauszufinden  welche Förderungen das Kind in Zukunft braucht, um seine Bildungsziele zu erreichen. Stadelmann plädiert des Weiteren dafür Überlegungen bezüglich der Erfüllung der Lehrpläne durchzuführen.

Abschließend ruft sowohl Schülerinnen, Schüler und auch deren Eltern dazu auf aus dieser momentanen Sondersituation zu lernen. Dabei soll bedacht werden wie wichtig Schulen und der Unterricht sind.  Vor allem auch der einhergehende soziale Kontakt solle dabei bedacht werden. Im Speziellen soll sich vor Augen geführt werden, wenn man bedenkt welche Auswirkungen er auf Attribute wie Verlässlichkeit, Stabilität und Sicherheit in Zusammenhang mit dem Lernen bietet.

Ein weiteres Interview mit Prof. Dr. Stadelmann können sie HIER nachlesen.

«Digitaler Fernunterricht» während der Corona-Pandemie: Gefahr für die Chancengerechtigkeit?

Sprecher am PodiumIn verschiedenen Ländern, so auch in Österreich und in der Schweiz haben Schulen und Lehrpersonen in beeindruckender Art in kurzer Zeit Fernunterricht («digitales Lernen») organisiert und ermöglicht. Natürlich gibt es in der Qualität der digitalen Lernunterlagen zum Teil große Unterschiede zwischen Lehrpersonen und zwischen Schulen. Das ist ja unvermeidlich, haben sich doch bisher nicht allzu viele Lehrerinnen und Lehrer mit digitalem Fernunterricht intensiv und vor allem praxisbezogen beschäftigt, beschäftigen müssen; für viele ist das Neuland. Und auch für sehr viele Schülerinnen und Schüler und insbesondere auch für deren Eltern ist diese Form des Lernens ungewohnt, was auch zu Überforderung bei Eltern führen kann.

Umso erstaunlicher und erfreulicher ist, was alles auf die Beine gestellt wurde und wie groß im Allgemeinen die Akzeptanz des «digitalen Fernunterrichts» ist. Da haben vielerorts Lehrerinnen und Lehrer in kurzer Zeit Großes geleistet. Technisch gibt es zum Teil noch erhebliche Mängel, unter anderem weil nicht überall Internet in ausreichender Qualität und Kapazität zur Verfügung steht. Zum Teil fehlt es auch noch an Laptops zuhause bei den Kindern oder an geeigneten Computer-Programmen. Aber ich behaupte, dass die Corona-Pandemie zu einem erheblichen Schub beim «digitalen Lernen» geführt hat, für den sonst Jahre nötig gewesen wären.

Chancengerechtigkeit in der modernden Gesellschaft

Es gibt nun bereits Stimmen, die behaupten, «digitales Lernen» beweise, dass Lernen ohne Lehrerinnen und Lehrer ohne weiteres erfolgreich sei, und dass die Bedeutung von Lehrerinnen und Lehrern überbewertet werde: es brauche eigentlich Lehrpersonen gar nicht. Ich werde im folgenden zeigen, dass dies eine völlig irrige Ansicht ist. Die Phase des Fernunterrichts wird aufzeigen, wie unentbehrlich Lehrpersonen sind: Lernen ist und bleibt ein sozialer Prozess auch und gerade im Zeitalter der Digitalisierung. Computer können Unterricht ergänzen, fördern, aber sie können niemals Lehrerinnen und Lehrer ersetzen.

Bleibt Chancengerechtigkeit durch den digitalen Fernunterricht noch mehr auf der Strecke als im Normalfall des schulischen Unterrichts? Das ist die große Sorge, die auch mich bewegt. Wir haben natürlich nach dieser kurzen Zeit keine Beweise, keine wissenschaftlichen Untersuchungen, welche diese Frage beantworten können. Aber es gibt Befürchtungen und Vermutungen.

Ich habe in meinem Vortrag an der Jugendnetzwerk-Tagung der AKOÖ vom 7. November 2019 in Linz aufgezeigt, dass es «Chancengleicheit» (im Sinne von: alle Kinder kommen mit gleichen Voraussetzungen auf die Welt und können sich bei «richtiger» Förderung gleich kognitiv entwickeln und das gleiche kognitive Niveau erreichen) nicht gibt. Jedes Kind, jeder Mensch ist ein Unikat und entwickelt sich ein Leben lang als Unikat weiter. Ich spreche deshalb von «Chancengerechtigkeit».

Chancengerechtigkeit bedeutet, dass jedes Kind, unabhängig von seiner Herkunft, seinen Geburtspotenzialen, dem Bildungsstand seiner Eltern, seinem Geschlecht, der sozialen Stellung seiner Familie, vom geografischen Ort, wo es aufwächst … die Möglichkeit erhält, seine individuellen Potenziale, die es auf die Welt mitgebracht hat, optimal zu entwickeln. Schule hat also den Auftrag, Kinder individuell im Rahmen ihrer Potenziale zu fördern. Dies bedeutet, dass Lehrerinnen und Lehrer diese Potenziale erkennen sollten, damit die Kinder und Jugendlichen dann individuell gefördert werden können. Ein Ziel, das nur sehr schwer zu erreichen ist und höchste Anforderungen an Lehrpersonen und Schule und auch an die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus stellt. Ein Lernprogramm, ein Computeralgorithmus kann das nicht.

Chancenungerechtigkeit als Folge des digitalen Fernunterrichts

Es braucht dazu Menschen mit diagnostischen Fähigkeiten, mit Ausstrahlung, mit Empathie mit pädagogischen Kenntnissen und Fähigkeiten. Der persönliche Umgang ist von größter Bedeutung für pädagogische Wirkung. Förderung braucht Menschen. Lernen hat mit Beziehungen zu tun, übrigens nicht zuletzt auch mit Beziehungen zwischen Schülerinnen und Schülern im gemeinsamen Lernen. Und dies fällt ja im «Quarantäne-Homeschooling» weitestgehend weg.

Die Sorge, dass Chancenungerechtigkeit durch den von der Pandemie aufgezwungenen Fernunterricht am Computer (oder auch analog allein zuhause) grösser zu werden droht, teile ich. Es liegt auf der Hand, dass vor allem Kinder mit Lernschwierigkeiten, die schon in der Schule Mühe haben und in einem nicht sehr anregend-förderlichen Zuhause in der Familie leben, mit hoher Wahrscheinlichkeit von zunehmender Chancenungerechtigkeit betroffen sein werden. Es ist zu befürchten, dass die Schere der Chancenungerechtigkeit sich noch etwas mehr öffnen wird. Und dafür können die Kinder nichts, und sie sollten auch nicht die negativen Folgen tragen müssen! Wir können nur hoffen, dass diese Situation nicht lange anhält. Wichtig ist, dass auch während des Fernunterrichts Schülerinnen und Schüler immer wieder Kontakte mit Lehrerinnen und Lehrern und mit anderen Kindern der Klasse knüpfen können, sei es via Bildschirm (z.B. Skype) oder via Telefon.

Die Zeit danach richtig nutzen

Was tun nach dem Fernunterricht? Was können Lehrerinnen, Lehrer und Schulen tun, um wieder in den «Normalbetrieb» überzugehen? Ich denke, beim Wiederbeginn des Unterrichts sollte in den verschiedenen Lerngebieten (Fächern) «getestet» werden, wo die Schülerinnen und Schüler fachlich stehen, was sie zuhause mit den Unterlagen, welche die Lehrpersonen vorbereitet haben, gelernt haben, was sie wissen und was sie verstanden haben oder wo Lücken klaffen. Ich plädiere also für eine individuelle Standortbestimmung für alle Kinder und Jugendlichen. Entsprechende «Tests» (mündlich oder schriftlich) können durch Lehrerinnen und Lehrer einer Schule «maßgeschneidert» ausgearbeitet werden. Wie gesagt: die «Tests» sollen eine Standortbestimmung ermöglichen, also ohne Notenbeurteilung; mit dem Ziel festzustellen, welche Förderung im künftigen binnendifferenzierten Unterricht nötig ist, damit Kinder ihre Bildungsziele erreichen können. Diese Erkenntnisse aus der Standortbestimmung sollten dann zu spezifischen «Förderplänen» für Schülergruppen, wenn nötig für einzelne Schüler führen.

Ich finde auch, dass Überlegungen bezüglich der Erfüllung der Lehrpläne gemacht werden sollten. Im Sinne einer Anpassung für die «Corona-Generation» der Schülerinnen und Schüler, die ja einige schulische Unterrichtszeit verloren haben. Was muss für das Erreichen des Bildungsziels innerhalb einer Schulklasse besonders schwergewichtig im «Post-Corona-Unterricht» behandelt werden. Was ist unbedingt nötig, was könnte man weglassen, ohne den Kindern künftige kognitive Entwicklung und allfällig künftige Laufbahn-Möglichkeiten zu verbauen? Ich gehe davon aus, dass Lehrerinnen und Lehrer in dieser Phase Unterstützung (zeitlich und in Form von Beratung) nötig haben. Der Wiedereinstieg in die Schulnormalität benötigt zusätzlichen Einsatz und zusätzliche Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer. Pädagogische Schulleitungen und Schulbehörden werden vermehrt gefordert sein.

Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern sollten aus der Sondersituation, die sie erlebt haben, lernen, wie wichtig Schule und Unterricht, wie wichtig soziale Kontakte sind, wie wichtig es für das Lernen ist, Stabilität, Verlässlichkeit, Sicherheit, Hilfestellungen, Rückmeldungen … zu erfahren. Wie unentbehrlich Lehrerinnen und Lehrer mit ihrer Persönlichkeit sind.

Besser durch die Corona-Krise mit dem AK-Zukunftsfonds

Home Office
Photo by John Schnobrich on Unsplash

Die Corona-Krise fordert Unternehmen, soziale Vereine, Beschäftigte, Lehrlinge und Jugendliche. Die Arbeiterkammer will helfen. Daher hat sie ihren AK-Zukunftsfonds, der schon bisher viele Betriebe dabei unterstützt hat, Arbeitsbedingungen in der digitalen Welt zu verbessern, aufgestockt. Verstärkt gefördert werden aktuell zum Beispiel Home Office-Projekte und Projekte der Betriebsratsarbeit.

Bereits vor der Krise starteten im Rahmen des AK-Zukunftsfonds binnen eines Jahres 35 Projekte in oberösterreichischen Betrieben. 18.000 Beschäftigte profitieren bereits davon. Idee des AK-Zukunftsfonds ist es, Arbeitnehmer/-innen dabei zu unterstützen, mit der Digitalisierung zurecht zu kommen und sogar davon zu profitieren. Dieser Grundgedanke bekommt gerade während der Corona-Krise, in der viele Unternehmen und Arbeitnehmer/-innen mit ungewohnten und oft völlig neuen Formen der Zusammenarbeit und Organisation konfrontiert sind, eine besondere Bedeutung.

Unternehmen, Vereine oder Betriebsräte, die die Möglichkeit zur Heimarbeit verbessern oder die Kommunikation im Betrieb modernisieren wollen, sind nun eingeladen, sich bei der Arbeiterkammer Oberösterreich um eine Projektförderung durch den AK-Zukunftsfonds zu bewerben. Die Zielgruppe der Förderungen sind AK-Mitglieder. Falls Sie jemanden kennen (Betriebe, Betriebsrat, Verein etc.), für den eine Sonderförderung im Rahmen des AK-Zukunftsfonds hilfreich wäre, bitten wir Sie, diesen Artikel weiterzuleiten. Nähere Informationen zum AK-Zukunftsfonds, zu Förderbestimmungen und -voraussetzungen sowie Förderanträge finden Sie auf arbeitmenschendigital.at.

Wir wünschen Ihnen alles Gute und wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

Die Auswirkungen der Coronakrise auf junge Menschen am Übergang Schule-Arbeitswelt

Empty Schoolclassroom with a pinboard in the back and several pictures pinned on it
Photo by Feliphe Schiarolli on Unsplash

Die Corona-Krise trifft alle schwer aber manche Teile der Bevölkerung ganz besonders. Nicht nur die Schulen, Betriebe oder Geschäfte haben geschlossen, sondern auch alle Einrichtungen und Organisationen, welche Angebote für Jugendliche am Übergang Schule-Arbeitswelt anbieten, müssen aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation geschlossen bleiben. Alle Netzwerkpartner/-innen nehmen in dieser Krisenzeit eine große Herausforderung wahr, für die tragfähige Lösungen in der schwierigen Balance zwischen Gesundheitsschutz und weiterbestehende Aufgaben gefunden werden müssen.

Jugendliche und junge Erwachsene am Übergang Schule Arbeitswelt können derzeit arbeitsmarktpolitische Angebote nicht besuchen, keine Freizeitaktivitäten ausüben oder am sozialen Leben aktiv teilnehmen. Diese jungen Menschen, die ohnehin aufgrund soziologischer und ökonomischer Faktoren benachteiligt sind, ein höheres Ausgrenzungsrisiko haben und mit einem erschwerten Berufseinstieg konfrontiert sind, werden am meisten die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger die Existenz der sozialen Einrichtungen nicht zu gefährden und für stabile Beratungsverhältnisse zu sorgen.

Kontakt zu den Jugendlichen

Als Reaktion auf die Schließungen der Einrichtungen wurden von Seiten der Organisationen und Einrichtungen sehr rasch unterschiedliche innovative digitale Angebote gefunden und „digitales Lernen“ organisiert. Jugendliche werden täglich per Telefon, Skype, Zoom oder Whatsapp kontaktiert. Damit soll der Kontakt aufrecht erhalten bleiben und um die Jugendlichen regelmäßig mit Arbeitsaufträgen zu versorgen. Arbeitsaufträge sollen für einen geregelten Tagesablauf sorgen und Jugendliche motivieren aktiv zu bleiben. Gerade jetzt ist ein strukturierter Tagesablauf notwendig. Das gibt den Jugendlichen Halt und mehr Sicherheit in diesen unsicheren Zeiten.

Technische Ausstattung

Diese digitalen Angebote setzen aber voraus, dass Jugendliche über die entsprechende technische Ausstattung und gute Internetverbindung verfügen. Jedoch sieht die Realität oft anders aus. Während die Kommunikation mit den Jugendlichen über das Handy sehr gut funktioniert, scheitert es oft an fehlender EDV Ausstattung. Bei vielen sozial benachteiligten Familien existieren keine geeigneten Geräte oder man muss den Computer mit anderen Familienmitgliedern teilen. Meist haben sie auch schlechte oder keine Internetverbindung, keinen eigenen Raum, um die Arbeitsaufträge in Ruhe bearbeiten zu können. Einige Jugendliche haben zusätzlich auch Aufsichtspflichten, da Eltern arbeiten müssen.

Finanziell benachteiligte Jugendliche/Familien brauchen dringend Hilfe. Beschaffung von EDV-Infrastruktur und kostenlose Internetverbindung in ausreichendem Umfang für die Erledigung der Arbeitsaufträge sind notwendige Maßnahmen, damit Jugendliche den Anschluss nicht verlieren und vom Fernunterricht nicht ausgeschlossen werden. Zudem sollen auch für Jugendliche mit Lernproblemen die Nachhilfeangebote ausgeweitet und schnellstmöglich auf E-Learning umgestellt werden.

Konflikte in den Familien

Durch die häusliche Isolation der Menschen steigt das Risiko familiärer Konflikte massiv. Enge Wohnräume mit wenig Rückzugsmöglichkeiten verschlimmern die Situation noch mehr. Daher ist es umso wichtiger den Kontakt zu den Jugendlichen aufrecht zu erhalten, um Konflikte und häuslicher Gewalt vorzubeugen. Oft coachen Netzwerkpartner/-innen nicht nur den Jugendlichen, sondern bieten auch den überforderten Eltern bei pädagogische Fragen Hilfe an.

Jugendliche und junge Erwachsene, die nach der Corona-Krise einen erhöhten Bedarf an begleitender Unterstützung bei der Bildungs- und Berufsplanung haben, sollten die Möglichkeit bekommen, die Projekt-Teilnahmedauer zu verlängern. Auch neue Konzepte und Maßnahmen müssen entwickelt werden, um sozial benachteiligte Jugendliche nach der Corona-Krise wieder gut auffangen und ihnen neue Zukunftsperspektiven eröffnen zu können.

Die Jugendnetzwerke der Arbeiterkammer Oberösterreich verbinden seit mehr als 10 Jahren Akteure/-innen am Übergang Schule – Arbeit. Die aufgebauten Netzwerkstrukturen in allen Regionen Oberösterreichs bieten mittlerweile 1.200 Systempartner/-innen eine Austausch- und Reflexionsplattform zum Thema Jugendbeschäftigung. Mehr Information über die Jugendnetzwerke: https://www.jugendnetzwerk-ooe.at/