„Bar Camp-Methode“ – Resümee der JugendNetzwerkDialoge im Herbst 2020

Knapp 150 Jugend-Netzwerkpartner/-innen aus ganz Oberösterreich haben sich die Zeit genommen, an einem der zehn JugendNetzwerkDialoge im Herbst 2020 teilzunehmen. Die Reihe, welche im September und Oktober durchgeführt wurde, stand ganz im Zeichen des offenen Austausches. Mit dem Ansatz der Bar Camp-Methode wurde die Chance ergriffen, nicht nur Teilnehmer/-in der Veranstaltung, sondern vielmehr Teilgeber/-in zu sein. Durch die Einbringung eigener Themen kam es in ganz Oberösterreich zu einem lebhaften Austausch unterschiedlicher Herausforderungen und Ideen.

Die Bar Camp Methode schön illustriert auf einen Blick

Die aktuelle Dialogreihe war geprägt von einem offenen Austausch und einer bunten Ansammlung an Themen. Der Bogen spannte sich dabei von der abnehmenden Motivation der Jugendlichen über die  AusBildung bis 18, Zukunftsberufe und Hilfsarbeit, Erreichbarkeit und Neuigkeiten des AMS, Auswirkungen der Corona-Krise auf Jugendliche bis hin zu Jugend und Gemeinwesen. Dabei stand die Frage „Wo sind die Jugendlichen (für den Arbeitsmarkt)“ im Mittelpunkt der Gespräche. Aufgrund der aktuellen Situation wurden in allen Bezirken die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Jugendlichen thematisiert.

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Jugendlichen

Bei etlichen Dialogen waren die aktuellen Herausforderungen aufgrund der Corona-Krise das zentrale Thema. Die Berichte der Netzwerkpartner/-innen waren von Geschichten geprägt, die sowohl von den psychischen Belastungen aber auch den sozialen Auswirkungen der Krise auf die Jugendlichen erzählen. Der Wegfall von vorhandenen Strukturen hat es den Jugendlichen im Zusammenspiel mit den psychischen Belastungen der letzten Monate erschwert wieder am System teilzunehmen. Einige Netzwerkpartner/-innen berichteten davon, dass soziale Phobien sichtbar wurden und sich bereits vorhandene Problemlagen verstärkten. Erste Lösungsvorschläge für die Probleme wurden während der einzelnen Dialoge besprochen. Eine mobile, niederschwellige psychosoziale Anlaufstelle und weitere gezielte Aufklärung im Bereich Gewaltprävention sollen den jungen Menschen einen ersten Schritt aus der Krise bieten.

Erreichbarkeit und Neuigkeiten des AMS

Das Thema der Erreichbarkeit des AMS war bei einigen Dialogen ein zentrales Gesprächsthema. Die vielen Anträge auf Kurzarbeit, haben dazu geführt, dass das AMS mit den Kapazitäten an die Grenzen stößt. Es wurde vor allem vermehrt auf E-Mail Korrespondenz und auch telefonischen Kontakt gesetzt, da aufgrund der geringen Größe der AMS-Büros nicht genügend Sicherheitsabstand gewahrt werden konnte. Mitarbeiter/-innen des AMS sind derzeit auch in den Betrieben unterwegs und erklären AMS-Fördermöglichkeiten. Besonders das Baugewerbe und die Gastronomie sind stark betroffene Branchen in dieser Zeit. In den Gesprächen wurde auch das Thema Lehrabbrüche bei Jugendlichen besprochen. Um der vermehrten Anzahl der Abbrüche entgegen zu wirken, soll es eine bessere Aufklärung über Berufe, die den Jugendlichen unbekannt sind, geben.

Netzwerkpartner aus Braunau berichten von ihren Erfahrungen

Wo sind die Jugendlichen?

Die Gespräche der Netzwerkpartner/-innen zeigten, dass viele junge Menschen mit den Hürden des AMS nicht zurechtkommen. Einerseits ist das eAMS für viele nicht klar verständlich aber auch die eingeschränkten Öffnungszeiten des AMS erschweren die momentane Situation. Die Jugendlichen resignieren deswegen und finden sich mit dem Leben in den eigenen vier Wänden ab. Der soziale Rückzug hat jedoch einen negativen Effekt, denn durch den Wegfall der physischen Treffen mit den AMS Beratern kommt es zu einem entscheidenden Informationsverlust. Darüber hinaus erschwert die mangelnde digitale Kompetenz bei den Jugendlichen die Bewerbung am Arbeitsmarkt. In den Diskussionen kam auch die AusBildung bis 18 zur Sprache. Für einige greift diese zu kurz und viele wünschen sich eine Erweiterung für ältere Jugendliche, die nach dem 18. Lebensjahr gesetzlich nicht mehr für arbeitsmarktpolitische Angebote erreichbar sind.

Unsere Jugend-Netzwerkpartner/-innen schätzen den persönlichen Austausch, gerade in einer Zeit, in denen ihr Arbeitsalltag alles andere als alltäglich ist. Die Dialogreihe hat gezeigt, dass nicht nur die aktuelle Situation, sondern auch bereits schon bekannte multiple Problemfelder bei den jungen Menschen vorhanden sind. Aufgrund der momentanen Lage dürfen diese nicht in Vergessenheit geraten.