Die Geschichte von der Geschichte und der Zukunft

von Martin Mahringer (Referent in der Arbeiterkammer Oberösterreich)

Die technischen Entwicklungen in der Arbeitswelt werden für viele Menschen eine Herausforderung darstellen. Besonders für jene jungen Menschen, die auf mehrfache Weise von Ausgrenzung gefährdet sind. Auch die Unternehmen stehen im Zeitalter des Internet of Things (IoT), die Einsätze von Roboter, Automaten und selbstkommunizierenden Maschinen, an einem Wegenetz vor Veränderungen. Doch bevor an dieser Stelle bereits zu weit vorgegriffen wird, soll ein kurzer Blick zurück die derzeitige Diskussion besser verständlich erscheinen lassen.

Vor gut 12.000 Jahren begann der Übergang des Menschen vom Jäger und Sammler hin zu Ackerbau und Viehzucht. In dieser Zeit machten sich die Menschen das Domestizieren der Tiere zu eigen und verwandelten so grundlegend ihren Lebensalltag. Danach stand die Landwirtschaft im Fokus der Menschen und sie nahmen sich Tiere, um die (Nahrungsmittel-)Produktivität zu steigern und die Transportwege zu erleichtern (vgl. Bauer 2013, S. 136 ff.). Der Anteil der Bevölkerung, welche im landwirtschaftlichen Sektor arbeitete, wuchs bis zum Zenit im Jahr 1810 auf 92% an (vgl. Dimmel 2017, S. 16). Durch die Entwicklung von wirtschaftlichen und zuverlässigen Erfindungen wie der Dampfmaschine und des mechanischen Webstuhls sowie begünstigt durch den Bau von Eisenbahnen begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft.

1.0
In der sogenannten ersten industriellen Revolution wurden Arbeitstätigkeiten, welche zuvor noch von menschlicher und tierischer Muskelkraft abhängig waren, nach und nach von mechanischen Kräften abgelöst (vgl. Bauer 2013, S. 114). Kinderarbeit war zu dieser Zeit allgegenwärtig und von allen Seiten geduldet. Aufgrund von Armut hatten viele Familien keine andere Wahl als ihre eigenen Kinder zur Arbeit zu schicken. Ab dem 4. Lebensjahr galten sie als arbeitsfähig und wurden in Fabriken und Manufakturen eingesetzt. Besitzer von Fabriken und Unternehmer fanden „Müßigang“ schädlich für die Entwicklung der Kinder und nur die Arbeit sei nützlich, bildend und förderungswürdig. Der Staat griff aufgrund der allgemeinen Armut nicht ein. Regelmäßiger Unterricht fand verstärkt im Winter statt, da oftmals keine Zeit für den Unterricht blieb. Der durchschnittliche Arbeitstag dauerte bei den Kindern und Jugendlichen acht bis sechzehn Stunden. Spinnmädchen, die an mechanischen Webstühlen arbeiteten, kamen in der Woche sogar auf etwa 119 Stunden. Dies sind auf sieben Tage aufgerechnet 17 Arbeitsstunden pro Tag (vgl. Faderl, Hagemann und Rieger 2016, S. 8 ff.). Erst im Jahr 1842 wurde in Österreich die Maximalarbeitszeit für Neun- bis Zwölfjährige auf zehn Stunden Arbeitszeit beschränkt, bei den Zwölf- bis Sechzehnjährigen belief sie sich auf zwölf Stunden. Auf Kindermärkten, ähnlich wie Viehmärkten, wurden die Kinder als Arbeitskräfte den Unternehmern angeboten. Die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften zur Unternehmensrentabilitätssteigerung war groß. Die Bedingungen waren aufgrund der langen Arbeitszeiten unter starkem Einfluss von Lärm, Staub und Dreck leidlich und unzulänglich. Freizeit gab es praktisch keine, da auch die Sonn- und Feiertage streng reguliert wurden (vgl. Czeike 2004, S. 501 f.). Die Not der Kinder war groß und nicht wenige Kinder verloren in Kohleschächten ihre eigene Kindheit und vielfach auch ihr Leben (vgl. Precht 2018, S. 17). Erst nach und nach kamen soziale Verbesserungen für die jungen Arbeitnehmer/-innen. In den 1840er-Jahren kam es zum ersten Arbeitsverbot für Kinder, verschärfte Bestimmungen in den folgenden Jahrzehnten schränkten die allgemeine Beschäftigung sowie die Nachtarbeit von Jugendlichen ein (vgl. Czeike 2004, S. 502).

2.0
Ende des 19. Jahrhunderts, beginnend in den 1870er und 1880er Jahren, läutete die Nutzung von Elektrizität als Antriebskraft die zweite industrielle Revolution ein. Basierend auf der Idee der wissenschaftlichen Betriebsführung nach Frederick Winslow Taylor entstanden neue Techniken der Fertigung wie die Fließbandarbeit nach Henry Ford (1913) und ermöglichten so die serielle Massenproduktion. Produktionsschritte wurden geteilt und in sich abgeschlossen. Neben der Textil-, Eisen- und Stahlproduktion sowie Bergbau kamen die Chemie- und Elektroindustrie als neue Leitsektoren hinzu. Durch die aufkommende Globalisierung wurde es den Unternehmen und Staaten möglich ihre Produkte einfacher und schneller interkontinental zu transportieren (vgl. Bauer 2013, S. 118 ff.; Daft et al 2010, S. 45). Junge Arbeitnehmer/-innen spielten immer noch eine wichtige Rolle für die kostengünstige Produktion in Fabriken und Maschinenhallen. Die aufkommenden Sozialgesetzgebungen brachten aber auch einen stärkeren Schutz der jungen Arbeiter/-innen und nach dem ersten Weltkrieg gab es erstmals einen nationalen Arbeitsschutz für die Kinder und Jugendlichen (vgl. Gesetz vom 19. Dezember 1918 über die Kinderarbeit). Die Bedingungen am Arbeitsplatz wurden sicherer und auch die Kinder, welche bei den Eltern beschäftigt waren, wurden gesetzlich geschützt (vgl. Faderl, Hagemann und Rieger 2016, S. 37). Nach dem zweiten Weltkrieg regelte ab 1948 das Kinder- und Jugendschutzgesetz (BGBl. Nr. 146/1948) die arbeitsrechtliche Situation der Kinder und Jugendlichen in Österreich, welches in den darauffolgenden Jahren immer wieder ergänzt und verbessert wurde (vgl. Czeike 2004, S. 502).

3.0
Die dritte industrielle Revolution begann in den 1960er und 1970er Jahren mit der Produktion von Halbleitern und dem Einsatz von Großrechnern sowie in späterer Folge von Personalcomputern und der Erfindung des Internets. Dies führte zu einer starken Rationalisierung und Automatisierung in der Produktion. Die menschliche Arbeitskraft rückte in der Reihenfertigung immer stärker in den Hintergrund und neue Formen der Arbeitskräftestruktur bildeten sich (vgl. Müller-Jentsch 2017, S. 80 ff.). Die Kinderarbeit in der früheren Ausprägung gab es in Österreich zu dieser Zeit nicht mehr. Jugendliche standen unter besonderen Schutz, welcher durch die Gesetzesreform des Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz von 1987 wiederverlautbart (BGBl. Nr. 599/1987) und modernisiert wurde (vgl. Dirschmied und Nöstlinger 2002, S. 70 ff.).

4.0
Der Wandel in der Technologie und Industrie wird immer schnelllebiger. Dies zeigt sich auch in der Verkürzung der Revolutionszyklen. Nachdem der Abstand der bisherigen bekannten drei industriellen Revolutionen über die Landesgrenzen hinweg in etwa 100-150 Jahre betrug, kommt mit der Ankündigung eines neuen technologischen Zeitalters bereits ca. 50 Jahre nach der letzten die neue, sogenannte vierte industrielle Revolution. Von Staat, Medien und Industrie wird sie breitenwirksam avisiert. Bekannt durch die zu Beginn erwähnten 4.0-Begriffe, wird sie als „industriell-dreifaltige Vernetzung“ von Mensch, Maschine und Produkt mittels Internet in Echtzeit charakterisiert. Bei gleichzeitiger dezentraler Steuerung soll die Produktion weitaus schneller und flexibler werden. Nicht mehr die Menschen bestimmen über den Einsatz der Maschinen, sondern die Maschinen selbst wissen, welche Tätigkeiten zu bewerkstelligen sind (vgl. Krzywdzinski et al 2015, S. 6). Die Formulierung des Begriffs der Revolution im Zusammenhang mit den neuesten Entwicklungen im technologischen Bereich wird von verschiedenen Stellen kritisiert. Dabei wird argumentiert, dass die 4.0-Entwicklungen „Hype“ und „Märchen“ sind und als „Strategie der Verunsicherung“ dienen (siehe dazu Dimmel 2017, S. 15 f.) Es wird aufgrund von fehlenden tiefgreifenden Veränderung von gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen und der Weiterentwicklung von bereits bestehenden (Daten- und Kommunikations-)Technologien auf eine Evolution anstatt einer Revolution verwiesen (siehe dazu Ahrens 2012, S. 30 f.). Dem Evolutionsgedanken widerspricht u.a. Precht sehr deutlich, indem er schreibt: „Die Digitalisierung ist nicht einfach eine weitere Effizienzsteigerung unseres Wirtschaftens auf einem bekannten Pfad. Es ist die größte Veränderung unseres Wirtschaftens seit zweihundertfünfzig Jahren! Es ist ein Lebens- und Wertewandel in welthistorischer Dimension.“ (2018, S. 40). Den einzigen Unterschied zu früheren Revolutionen sieht er in der Tatsache, dass kein neuer Tätigkeitsbereich entsteht, sondern der bereits bestehende effektiver wird (vgl. ebd., S. 29). Fakt ist, die 4.0-Begriffe sind in aller Munde und die technologischen Entwicklungen werden die Arbeitswelt in der Zukunft maßgeblich beeinflussen. Was vielerorts jedoch in der Technologiediskussion fehlt, ist der Glaube an eine Mitbestimmung der Veränderung. Die Gesellschaft steht an einem absoluten Wendepunkt, auf dem es wichtig ist, an die Chance des Gestaltens der Zukunft zu glauben (vgl. ebd., S. 11).

Im nächsten Schritt gilt es demnach zu klären, was sich genau hinter dieser (revolutionären) Idee der vierten industriellen Revolution verbirgt und welche Auswirkungen diese auf die menschliche Arbeitskraft am zukünftigen Arbeitsmarkt haben. Schlussendlich sollen die Chancen für die jungen Arbeitnehmer/-innen am zukünftigen Arbeitsmarkt analysiert werden. Dabei wird, wie zuvor bereits erwähnt, ein besonderes Augenmerk auf jene Jugendlichen gerichtet, die gesamtgesellschaftlich gesehen von sozialer und bildungspolitischer Ausgrenzung bedroht sind.

Den gesamten Artikel von Martin Mahringer lesen Sie in der nächsten Ausgabe des WISO-Magazins, welches im Oktober 2018 erscheinen wird.

Kontakt:
Martin Mahringer
Arbeiterkammer Oberösterreich
Abt. Bildung, Jugend und Kultur
Volksgartenstraße 40, 4020 Linz
mail: mahringer.m@akooe.at

Passend zu diesem Artikel findet am 29. Oktober 2018 die Abschlusskonferenz

„Smarte Jugend! Smarte Zukunft? Zwischen Hype & Hysterie“

der Veranstaltungsreihe „Ausgrenzungsgefährdete Jugendliche im Zeitalter der Digitalisierung“ in der Arbeiterkammer Linz statt. Nähere Informationen sowie das Programm finden sich HIER.

 

Literaturverzeichnis:

Ahrens, Volker (2012): Inflation industrieller Revolutionen. In: Productivity Management (5/2012).

Bauer, Joachim (2013): Arbeit. Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht. 1. Aufl. München: Blessing.

Czeike, Felix (2004): Historisches Lexikon Wien. In 6 Bänden. Wien: Kremayr & Scheriau.

Daft, Richard L.; Kendrick, Martin; Vershinina, Natalia (2010): Management. Fort Worth, TX.: The Dryden Press.

Dimmel, Nikolaus (2017): Arbeit 4.0 – Ein Hype. In: Streifzüge – Maganzizierte Transformationslust (71).

Dirschmied, Karl; Nöstlinger, Walter (2002): Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz. Gesetze und Kommentare. Wien: ÖGB Verlag; ÖGB-Verl. (Gesetze und Kommentare, Nr. 12).

Faderl, Florian; Hagemann, Frauke; Rieger, Katja (2016): Sozialgeschichte. Hg. v. Stiftung Jugend und Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Eduversum GmbH. Wiesbaden. Online verfügbar unter https://www.sozialpolitik.com/artikel/von-der-ausbeutung-zum-kinder-und-jugendschutz.

Krzywdzinski, Martin; Jürgens, Ulrich; Pfeiffer, Sabine (2015): Die vierte Revolution. Wandel der Produktionsarbeit im Digitalisierungszeitalter. In: WZB-Mitteilungen (149), S. 6–9. Online verfügbar unter http://fgw-nrw.de/fileadmin/user_upload/SP-Die_vierte_Revolution.pdf.

Müller-Jentsch, Walther (2017): Strukturwandel der industriellen Beziehungen. ‚Industrial citizenship‘ zwischen Markt und Regulierung. Wiesbaden: Springer VS (Studientexte zur Soziologie).

Precht, Richard David (2018): Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft. München: Goldmann.

wir.gestalten.arbeit – ein Projektbericht

wir.gestalten.arbeit – ein Projektbericht

Im Projekt „wir.gestalten.arbeit“ der katholischen Jugend Oberösterreich trafen 2015 und 2017 Lehrlinge und junge Erwachsene aus der Arbeitswelt auf junge PolitikerInnen und konnten sich mit ihren Ideen und Gedanken und Wünschen zu fairer und guter Arbeit direkt an sie wenden.

Das Projekt richtete sich an junge Menschen aus ganz Österreich (zwischen 15 und 25), die am Beginn ihres Erwerbslebens stehen. Martina Schmidthaler, Referentin der katholischen Jugend Oberösterreich dazu: „gerade der Einstieg in die Arbeitswelt zwingt viele Jugendliche rasant erwachsen zu werden und Verantwortungen zu übernehmen. „wir.gestalten.arbeit“ kann für sie eine Stütze sein auch auf die Entwicklung und Kommunikation ihrer Interessen und Bedürfnisse zu achten.“

Nach Workshopphasen in den Regionen, an denen über 300 Jugendliche teilnahmen, kamen am 06. April 2017 ca. 150 Jugendliche aus ganz Österreich in Wien zusammen, um die aus ihren Workshops entstandenen Ideen und Visionen zu bündeln und sich zu vernetzen. Der Höhepunkt und zugleich Abschluss des Projekts fand am 07. April, im Parlament statt. Hier trafen die Jugendlichen auf junge Politiker/-innen – Johannes Bachleitner (JUNOS), Asdin El Habbassi (ÖVP), Fiona Herzog (SJ), Eva Maria Himmelbauer (ÖVP), Katharina Kucharowits (SPÖ) und Julian Schmid (Grüne) – und hatten die einmalige Gelegenheit sich mit ihnen auf Augenhöhe über ihre Arbeitswelt und die damit verbundenen Ängste, Herausforderungen und Wünsche auszutauschen.

Zum Abschluss überreichten die Jugendlichen den anwesenden Politiker/-innen ein Graphic Recording, welches während der zwei Abschlusstage entstand. Darin ist der Prozess der beiden Tage kreativ abgebildet und die Forderungen und Vorschläge der Jugendlichen für einen guten Einstieg junger Menschen in den Arbeitsmarkt enthalten: Faire Arbeitszeiten, gute Entlohnung, Wertschätzung der Arbeit, Weiterbildungsmöglichkeiten, ein gesicherter Ausbildungsplatz, Team-Building-Maßnahmen und Gleichberechtigung zwischen männlichen und weiblichen ArbeitnehmerInnen.

(Martina Schmidthaler, katholische Jugend Oberösterreich)

Den Link zum Video gibt es HIER

Die Fortsetzung soll 2019 stattfinden, mit der Arbeiterkammer OÖ als möglichen Projektpartner von dieser wunderbaren Initiative zur aktiven Teilnahme an arbeitsmarkpolitischen Diskussionen!

AK kritisiert Kürzungen bei der überbetrieblichen Lehre: Die Regierung raubt den jungen Menschen ihre Perspektiven

AK kritisiert Kürzungen bei der überbetrieblichen Lehre: Die Regierung raubt den jungen Menschen ihre Perspektiven

Die Bundesregierung kürzt die Ausbildungsbeihilfe für junge Erwachsene drastisch. Das trifft junge Arbeitnehmer/-innen in doppelter Hinsicht: Mit diesen Kürzungen können sich viele die überbetriebliche Ausbildung nicht mehr leisten und werden damit verstärkt in die Hilfsarbeit gedrängt. „Diese völlig sinnlose und unnötige Maßnahme raubt jungen Menschen ihre Zukunftsperspektiven und entzieht dem Wirtschaftsstandort die angeblich so dringend benötigten Fachkräfte“, erklärt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Die überbetriebliche Lehrausbildung ist das Kernstück der Ausbildungsgarantie, welche europaweit als Vorbild diente. „Sie war ein Hauptgrund für den vergleichsweise geringen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in Österreich während der Finanz- und Wirtschaftskrise“, erklärt Kalliauer und fordert die Bundesregierung auf, ausreichend Geld für die Ausbildungsgarantie zur Verfügung zu stellen und die Pläne zur Kürzung der Ausbildungsbeihilfe wieder zu verwerfen. „Beides gibt jungen Erwachsenen, die im ersten Anlauf noch nicht auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten, eine neue Perspektive. Und auch die Betriebe profitieren, wenn junge Menschen zu Fachkräften ausgebildet werden“, so Kalliauer.

Im April 2018 waren rund 42.500 junge Menschen zwischen 20 und 24 Jahren entweder arbeitslos oder in Schulungen. Bei den 15- bis 19-Jährigen waren 26.100 Jugendliche arbeitslos, in Schulung oder lehrstellensuchend. Das beweist, dass die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen für Personen unter 19 Jahren, wie etwa die überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA) oder das Jugendcoaching, greifen. Dadurch hat sich das Problem der Jugendarbeitslosigkeit hin zu den 20-bis 24-Jährigen verschoben.

Die von der Regierung mit Unterstützung der Arbeitgeberseite beschlossene und ab September wirksame Kürzung der Ausbildungsbeihilfe für junge Erwachsene über 18 Jahre in einer überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) von 753 auf 325,80 Euro erschwert vielen jungen Erwachsenen den Zugang zu einer Ausbildung im zweiten oder dritten Anlauf. „Viele von ihnen haben bereits hohe Lebenserhaltungskosten, etwa durch eine eigene Wohnung oder durch Kinder, und können sich aufgrund dieser Kürzung eine Ausbildung nicht mehr leisten“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Problematisch sieht Kalliauer auch, dass laut parlamentarischem Budgetdienst für das Jahr 2019 keine Mittel für die Ausbildungsgarantie bis 25 Jahren vorgesehen sind. „Wenn das wirklich stimmt, erleben wir einen drastischen arbeitsmarktpolitischen Rückschritt in Österreich“, sagt der AK-Präsident.

Kostenlose AK-Online-Bibliothek

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Mithilfe der AK-Bibliothek digital soll zB. die Arbeit von Lehrkräften unterstützt und Schüler/-innen Chancengleichheit geboten werden. Daher wird ein Bestand an digitalen Büchern bereitgestellt, die dem Unterricht dienen und ihn bereichern. Die leicht verständliche Fachliteratur ist als Hilfestellung für zB. das Verfassen von vorwissenschaftlichen Arbeiten gedacht.

Auch Sprachen online lernen funktioniert mit unserer Online-Bibliothek jetzt noch einfacher. Zudem können Sie damit von unterwegs auf über 40.000 Bücher, Zeitschriften und Hörbücher zugreifen.

Neu in den AK-Bibliotheken und kundenfreundlicher denn je: Was mit digitalen Audio-Sprachkursen begonnen hat, geht nun mit Hörbüchern weiter. Über ak.overdrive.com können sogenannte Audio-Books heruntergeladen und gestreamt werden. Das Beste daran? Über die Overdrive-App verwenden Leserinnen und Leser der AK-Bibliotheken die digitalen Hörbücher ganz einfach auf nahezu allen Endgeräten mit den Betriebssystemen Windows, Android und iOS.

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Worum es den Gegnern der AK wirklich geht

Worum es den Gegnern der AK wirklich geht

Beitrag von Renate Anderl, AK-Präsidentin

Seit Kurzem bin ich AK-Präsidentin und damit an der Spitze jener Institution, die manchen Vertretern aus Industrie und Wirtschaft ein Dorn im Auge ist. Warum das so ist, ist schnell erklärt: Die Arbeiterkammer steht grundsätzlich aufseiten der ArbeitnehmerInnen. Mehr als fünfhundert Millionen Euro, die für die Mitglieder im Vorjahr vor Gericht und außergerichtlich erstritten wurden, sprechen da eine sehr deutliche Sprache.

Ziel: An den Rand drängen

Insofern ist es fast logisch, dass auch eine Regierung, deren Programm sich stark an den Wünschen von Industrie und Wirtschaft orientiert, mit der AK nicht viel Freude hat. Kommuniziert wird das natürlich anders: Da ist dann von Effizienzsteigerungen die Rede, von Bürokratieabbau und einer „schlanken“ Verwaltung. Das ist ein sehr geschickter Schachzug: Niemand will sich mit Bürokratie herumschlagen und effizienter werden ist immer gut.

Aber worum es den Gegnern der AK wirklich geht, ist, die mächtigste Verbündete der ArbeitnehmerInnen endlich an den Rand zu drängen und die Gewerkschaftsbewegung zu schwächen. Keine lästigen Einmischungen, wenn den Menschen zu wenig bezahlt wird, keine mahnende Stimme, die Gesetze begutachtet und Verbesserungen einfordert, kein starkes Bollwerk gegen den generellen 12-Stunden-Tag.

Als Metallerin bin ich mit flexiblen Arbeitszeitmodellen bestens vertraut. Die Möglichkeit, bei Auftragsspitzen länger zu arbeiten, um ein Projekt oder eine Produktion fertigzustellen, gibt es bereits. Im Rahmen von Betriebsvereinbarungen ist es ohne Weiteres möglich, länger zu arbeiten – aber dafür gibt es Spielregeln. Lange Arbeitszeiten müssen planbar sein, und es muss einen Ausgleich geben, entweder in Form von Zeit oder Geld.

Es ist außerdem keineswegs so, dass in ganz Österreich um 17 Uhr alle den Stift fallen lassen. Dort, wo es notwendig ist, wird ja rund um die Uhr gearbeitet, Aufträge werden erfüllt, der Konjunkturmotor brummt. Also worum geht es hier wirklich?

Die Industriellenvereinigung hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass es um eine einseitige Arbeitszeitflexibilisierung geht, nicht darum, auch die Wünsche der Beschäftigten zu berücksichtigen. Im Regierungsprogramm ist hier die Rede von der „Verlagerung auf die betriebliche Ebene“. Das klingt eigentlich großartig, oder? Aber mit dieser Verlagerung ist nichts anderes gemeint als das Aushebeln der Kollektivverträge und das Rausdrängen der Sozialpartnerschaft aus Lohn- und Arbeitszeitverhandlungen.

„Betriebliche Ebene“ heißt in letzter Konsequenz, dass jede und jeder Beschäftigte sich seine Arbeitszeit allein mit dem Chef oder der Chefin aushandeln muss. Das mag ja im einen oder anderen Fall auch funktionieren, aber wer die Realität der Arbeitswelt kennt, weiß, dass im Zweifelsfall immer der Chef das letzte Wort hat. Ohne Betriebsrat im Rücken wird es auch mit der „Freiwilligkeit“ nicht sehr weit her sein. Ich finde es daher bemerkenswert, dass sich ausgerechnet eine Partei, die sich selbst zur neuen „Arbeiterpartei“ stilisiert, für den 12-Stunden-Tag starkmacht.

Gewinnmaximierung

Dabei zeichnet sich ganz deutlich ab, dass mittelfristig kein Weg an einer Arbeitszeitverkürzung vorbeiführen wird. Die technologische Entwicklung, die den Kassier im Supermarkt und die Bankbeamtin ersetzt, ist nicht aufzuhalten. Sie bietet aber auch große Chancen, wenn wir die Sache richtig angehen.

Konzerne, die sich viel Personal sparen, weil sie auf Technologie setzen, können ihre Gewinne maximieren. Es wäre also nur fair, würden sie auch einen fairen Anteil zum allgemeinen Wohlstand leisten. Diesbezüglich findet sich allerdings recht wenig im Regierungsprogramm. Macht nichts. Um das einzufordern, gibt es die AK!

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Jung. Arbeitswillig. Ohne Zukunft? Wie die Regierung auf Kosten jugendlicher Arbeitssuchenden sparen will

Jung. Arbeitswillig. Ohne Zukunft? Wie die Regierung auf Kosten jugendlicher Arbeitssuchenden sparen will

Die Bundesregierung plant offenbar nach nicht einmal zwei Jahren, ein Programm einzustellen, das jungen Menschen eine Ausbildung ermöglicht und damit Hilfsarbeit vermeiden soll. Die Begründung der Regierung lautet, dass dieses Programm zu wenig in Anspruch genommen wird. Bisher waren pro Jahr 37 Millionen Euro veranschlagt, tatsächlich wurden nicht alle Mittel ausgeschöpft. Ein Blick auf die Arbeitsmarktstatistik oder auch aktuelle Studien zeigt aber, dass das Programm jedoch leider – auch, wenn die Arbeitslosigkeit zurückgeht – noch nicht obsolet ist, sondern nach wie vor ein entsprechender Bedarf besteht. Generell lässt sich eine ideologisch motivierte Kehrtwende erkennen – weg vom fördernden und hin zum stark fordernden bzw. sogar zwingenden Staat. Das autoritär-negative Menschenbild wird dabei auf den Arbeitsmarkt übertragen.

Regierung beendet 20 Jahre altes Jugendbeschäftigungsprogramm

Die Ausbildungsgarantie hat ihre Wurzeln im Nationalen Aktionsplan für Beschäftigung (NAP) von 1998. Damals – auf der Spitze der sogenannten Lehrstellenkrise – wurde mit dem Jugendsicherungsgesetz (JASG) die erste Form der überbetrieblichen Lehrausbildung beschlossen. 2009 kam eine Novelle des Berufsausbildungsgesetzes (BAG), die überbetriebliche Ausbildung wurde in das BAG integriert und die finanzielle Abwicklung über das Arbeitsmarktservice (AMS) festgeschrieben. Die überbetriebliche Lehre war damit einer betrieblichen Lehre theoretisch gleichgesetzt. 2009 kam auch die erste Ausbildungsgarantie; der Staat garantierte Jugendlichen bis 18 Jahre einen Ausbildungsplatz in einem Lehrberuf oder ein anderes Ausbildungsangebot bereitzustellen. Dazu griff man eben verstärkt auf das Konzept der überbetrieblichen Ausbildung zurück – wie sonst könnte man möglichst nah am Wohnort der betroffenen Jugendlichen eine möglichst große Anzahl an wählbaren Lehrberufen bereitstellen?

2016 löste die „Ausbildungspflicht bis 18“ die „Ausbildungsgarantie bis 18“ ab, der quasi Rechtsanspruch wurde zu einer Verpflichtung umgewandelt, gleichzeitig führte man die „Ausbildungsgarantie für 19–25-Jährige“ ein. Sie unterscheidet sich geringfügig (es gibt keine Verankerung im AMSG) von ihrem Vorgängerprogramm; sie führte einen de facto Rechtsanspruch auf gewünschte Weiterbildungen und Umschulungen für Personen ein, die länger als vier Monate beim AMS als arbeitslos vorgemerkt waren. 2017 nahmen dieses Angebot ungefähr 5000 Personen wahr. Durch die nicht mehr gesicherte Finanzierung seitens des Sozialministeriums fällt diese staatliche Weiterbildungsversicherung künftig jedoch vermutlich weg.

Digitalisierung benötigt mehr Bildung

Gerade durch die Digitalisierung wäre Bildung jedoch notwendiger denn je. Die Bundesregierung selbst wird nicht müde zu betonen, dass Bildung der Schlüssel gegen Arbeitslosigkeit sei. Und die Zahlen bestätigen das: Fast die Hälfte aller Arbeitslosen in diesem Altersbereich verfügt lediglich über einen Pflichtschulabschluss. Das Ziel der Maßnahmen innerhalb der Ausbildungsgarantie wäre ein erfolgreicher Berufsabschluss – eine derartige Höherqualifizierung hat enorm positive Auswirkungen auf künftige Einstellungsmöglichkeiten, Entgeltansprüche oder Pensionen und schützt vor prekären Beschäftigungen wie Leiharbeit.

Facharbeitermangel ist hausgemacht

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Lage klar: Je besser die persönlichen Qualifizierungen zum Arbeitsangebot passen, desto schneller finden Personen einen Arbeitsplatz. Die Beschäftigten und die Betriebe zahlen dann Steuern und Abgaben an den Staat, die Ausbildungskosten kommen um ein Vielfaches zurück, die individuellen Sozialausgaben sinken. Man möchte meinen, die Ausbildungsgarantie ist eine Win-win-Situation in Zeiten, in denen Betriebe immer weniger bereit sind, Zeit und Ausbildungskosten für ihre FacharbeiterInnen zu tragen. Doch auch dies ist nur die halbe Wahrheit, denn das Grundproblem der sinkenden Ausbildungsbetriebe löst weder die Ausbildungsgarantie noch eine Ausbildungspflicht. Es ist lediglich der berechtigte und unterstützenswerte Versuch, Jugendliche nicht allein mit diesem Problem zu lassen.

Facharbeitermilliarde als Rezept für ein Mehr an Ausbildungen

Wie bereits angesprochen, ist dies gerade in Zeiten der Digitalisierung und dem damit verbundenen Qualifizierungsproblem äußerst sinnvoll. Dennoch fehlt eine Komponente: den Betrieben deren gesellschaftliche Verpflichtung wieder aufzuzeigen, dass auch sie Jugendarbeitslosigkeit zu verhindern haben. Ein Rezept dafür kann die sogenannte „Facharbeitermilliarde“ sein – ein solidarischer Fond, finanziert durch ein Prozent der Bruttolohnsumme aus ArbeitgeberInnenbeiträgen. Bildet man FacharbeiterInnen aus, bekommt man hohe Förderungen, die Ausbildungskosten sollen sehr großzügig gedeckt werden. Im Gegensatz dazu bekommen Betriebe, die nicht ausbilden, keine Förderungen und beteiligen sich somit finanziell an der Ausbildung ihrer künftigen FacharbeiterInnen.

Dieses einfache Bonus-Malus-System, das schon in Vorarlberg mit großem Erfolg praktiziert wird, gekoppelt mit der „Ausbildungspflicht bis 18“ und der „Ausbildungsgarantie bis 25“ könnte die Jugendarbeitslosigkeit tatsächlich massiv reduzieren. Profitieren würden wir alle davon.

Text von Stefan Bartl, Bundessekretär der Österreichischen Gewerkschaftsjugend
Link zum Text

1. JugendNetzwerkDialog Linz-Land in der neuen AK-Bezirksstelle

Am 7. Mai 2018 fand zum ersten Mal der JugendNetzwerkDialog in der neue AK-Bezirksstelle Traun statt. Mit 36 Personen wurden die Erwartungen weit übertroffen. So ergab sich eine spannende und intensive Vernetzung der Akteure/-innen aus öffentlichen Institutionen, sozialen Organisationen und öffentlichen Einrichtungen.

Rund um die Thematik der psychischen und physischen Belastungen bei Jugendlichen wurden vom AK-Referenten Martin Mahringer spannenden Fakten aus der Arbeitswelt präsentiert sowie neue Einblicke in die Gruppe der NEET-Jugendlichen gegeben. Jede/r Fünfte junge Arbeitnehmer/-in im Alter zw. 15-29 Jahren verspürt starke Belastungen am Arbeitsplatz in Österreich. Besonders hoch sind diese im Bereich der hohen Verantwortung für Güter oder Menschen (22%) und bei stehenden Tätigkeiten bzw. Arbeit unter Zwangshaltungen (20%). NEET-Jugendliche (Jugendliche die weder in Beschäftigung noch in (Aus-)Bildung oder in einer Schulungsmaßnahme) haben ein vielfach höheres Risiko psychische und physische Beeinträchtigungen zu erleiden als andere Jugendliche in Österreich.

Frau Manuela Nemesch, Leiterin von pro mente jugend stellte die Angebote der Organisation vor. Dabei erzählte sie aus dem Arbeitsalltag, mit welchen Methoden sie Jugendliche stärken und wie sie das Ziel, die Jugendlichen Schritt für Schritt zu stabilisieren und in einen strukturierten Alltag zu führen, erreichen.

Danach tauschten sich die Teilnehmer/-innen im World Café über ihre tägliche Arbeit aus. Es zeigte sich dabei klar, dass Beziehungsarbeit sowie bedarfsorientiertes Arbeiten mit Jugendlichen entscheidend für eine langfristige Zielerreichung des Jugendlichen ist. Dies benötigt vor allem Zeit für die individuellen Bedürfnisse des jungen Menschen in der sensiblen Phase des Übergangs zwischen Schule und Arbeit. Die Vernetzung im Rahmen der AK-Jugendnetzwerke trägt für einen effektiven Austausch zwischen den einzelnen Akteure/-innen bei.

 

Veranstaltung: Was kann Arbeitsmarktpolitik leisten? – Ein Blick über den Tellerrand

Veranstaltung: Was kann Arbeitsmarktpolitik leisten? – Ein Blick über den Tellerrand

Die Arbeiterkammer Oberösterreich lädt Sie sehr herzlich zur Konferenz

 „Was kann Arbeitsmarktpolitik leisten? Ein Blick über den Tellerrand“

ein, die am Montag, den 4. Juni 2018 in der Tabakfabrik, Schule des Ungehorsams, Eingang L1, Ludlgasse West, 4020 Linz
und am Dienstag, den 5. Juni 2018 in der Arbeiterkammer Linz, Volksgartenstraße 40, Kongresssaal, stattfindet

Arbeitsmarktpolitik sichert gegen soziale Risiken ab, erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten in Erwerbsbiografien, federt die Folgen des Strukturwandels ab und leistet entscheidende Beiträge zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Aktuell steht die österreichische Arbeitsmarktpolitik im Zentrum politischer Auseinandersetzung. Der Vorwurf steht ihm Raum, dass Arbeitsmarkpolitiken anderer Länder erfolgreicher bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit seien. Doch stimmt das auch?

Bei dieser Konferenz werden internationale Vergleiche angestellt, Erfolgsmodelle diskutiert und Schlussfolgerungen für Österreich abgeleitet. Darüber hinaus können bei Exkursionen Einrichtungen der Arbeitsmarktpolitik besucht werden.

Zum Programmablauf
Zur Anmeldung

Weitere Informationen zur Konferenz per Telefon unter +43 (0)50 6906-2429 oder per E-Mail unter arbeitsmarktpolitik@akooe.at

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird empfohlen.

AK-Bildungsmonitor 2018: Früher Ausbildungsabbruch und Bildungskarrieren

AK-Bildungsmonitor 2018: Früher Ausbildungsabbruch und Bildungskarrieren

Jährlich brechen in Oberösterreich rund 3.000 junge Menschen ihre berufliche oder schulische Ausbildung vorzeitig ab. Das hat weitreichende gesellschaftliche Folgen. Junge Bildungsabbrecher/-innen schaffen oft den Einstieg ins Berufsleben nicht, haben ein höheres Risiko, arbeitslos und sozial ausgegrenzt zu werden. Das zeigt der neue Bildungsmonitor 2018 der AK Oberösterreich.

„Dass jährlich tausende Jugendliche ohne Abschluss aus dem Bildungssystem fallen, birgt sozialen Sprengstoff. Wir müssen daher weitere innovative Wege für Jugendliche, die eine Ausbildung abgebrochen haben, eröffnen. Es braucht einerseits außerschulische Maßnahmen und andererseits bessere Um- und Wiedereinstiegsmöglichkeiten für frühe Bildungsabbrecher in den Schulen“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Erhöhtes Arbeitsmarktrisiko für Pflichtschulabsolventen

Jugendliche, die früh ihre Ausbildung abbrechen, haben ein erhöhtes Arbeitsmarktrisiko, tun sich häufig sehr schwer beim Berufseinstieg und schaffen es kaum, an gesellschaftlichen Prozessen teilzuhaben. Mit maximal Pflichtschulabschluss ist das Risiko, arbeitslos zu werden, im Durchschnitt rund viermal so hoch wie bei Fachkräften mit Lehrabschluss oder fast zehnmal so hoch wie bei Personen mit Hochschulabschluss.

Der frühzeitige Ausbildungsabbruch zeigt verschiedene Gesichter: Eines davon ist frühzeitige Abbruch beziehungsweise erfolgloser Abschluss einer Lehre, der in Oberösterreich jährlich über 1.200 Jugendliche betrifft. Ohne Berücksichtigung überbetrieblicher Lehrausbildung sind das mehr als 16 Prozent aller Lehrlinge.

Etwa 1.000 der frühen Bildungsabbrecher/-innen verlassen die Schule unmittelbar nach Erfüllung der Schulpflicht. Der restliche Anteil umfasst Schulabbrüche ab der 10. Schulstufe. Ein beträchtlicher Anteil junger Menschen wechselt zudem in eine andere Ausbildung, etwa von einer HAK in eine HAS oder in eine Lehre. Im Durchschnitt – das heißt quer über alle Ausbildungen – beträgt die Umstiegsquote zirka 29 Prozent. Bei höheren Ausbildungen sind Aus- und Umstiegsrate deutlich niedriger als in Fachschulen und Lehre.

Hälfte der Pflichtschulabsolventen ohne Job

Rund 18 Prozent der 20- bis 24-jährigen Bevölkerung in Oberösterreich haben maximal Pflichtschulabschluss. Rechnet man jene heraus, die noch beziehungsweise wieder in Ausbildung stehen, sind es immer noch 14,3 Prozent. Knapp die Hälfte von ihnen ist weder beschäftigt noch in AMS-Schulung oder Ausbildung. „Angesichts dieser Zahlen müssten bei allen Politikerinnen und Politikern die Alarmglocken läuten. Da haben wir dringenden Handlungsbedarf“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Elementarbildung ausbauen

Neben arbeitsmarktpolitischen „Reparaturen“ sind vor allem bildungspolitische Maßnahmen unverzichtbar. Bereits der AK-Bildungsmonitor 2016 hat zahlreiche Lösungsansätze zur Drop-Out-Vorbeugung aufgezählt: Die Elementarbildung muss ausgebaut werden.

„Wir brauchen eine maßgeschneiderte schulische Individualförderung im Rahmen einer gemeinsamen Schule für alle 6- bis 15-Jährigen anstelle der verfrühten Selektion nach der Volksschule“, sagt Kalliauer. Von besonderer Bedeutung ist eine Mittelzuweisung an die Schulen, der die besonderen sozialen Herausforderungen an den Standorten berücksichtigt.

„Auch die Anerkennungsverfahren für in der Praxis bereits informell erworbene Kompetenzen müssen ausgebaut und bundesweit vereinheitlicht werden. Das Ziel muss der Berufsabschluss sein “, sagt AK-Präsident Kalliauer und nennt die maßgeblich von der AK Oberösterreich initiierte Maßnahme „Du kannst was!“ als Musterbeispiel.

Download „AK-Bildungsmonitor 2018“

AK fordert Freifahrt und Jugendticket für alle Jugendlichen in Ausbildung

AK fordert Freifahrt und Jugendticket für alle Jugendlichen in Ausbildung

Schüler/-innen und Lehrlinge haben gegen einen kleinen Selbstbehalt zwischen Ausbildungs- und Wohnort freie Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit einer Aufzahlung bekommen sie ein Jugendticket und können sich günstig im gesamten Netz des OÖ. Verkehrsverbundes bewegen. Dagegen haben Jugendliche in Produktionsschulen, Berufsorientierungskursen und ähnlichen Maßnahmen keinen Anspruch auf Freifahrt und Jugendticket. 

„Diese Ungleichbehandlung muss rasch beendet werden! Wir fordern, dass alle bis 18-jährigen Jugendlichen in Ausbildung oder Berufsorientierung Freifahrt und Jugendticket nutzen können“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. 

Schwächeren helfen

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Ein junger Bursch muss wegen mangelnden Lernerfolges und instabiler psychischer Verfassung die Schule abbrechen. Er geht auf Jobsuche. Bei „Schnuppertagen“ kommt er nicht zurecht. Es wird klar, dass er noch Zeit braucht, um am „ersten Arbeitsmarkt“ erfolgreich zu sein. Deshalb kommt er in einen Berufsorientierungskurs, wo er auch von Sozialarbeitern betreut wird. Dieser Kurs gilt aber nicht als Ausbildung im klassischen Sinn. Aus diesem Grund erlischt der Anspruch auf die Freifahrt. Damit verliert der Bursch auch die Möglichkeit, sich das Jugendticket zu kaufen. So entsteht für Jugendliche, die ohnehin schon von Ausgrenzung gefährdet sind, eine zusätzliche Hürde.

Leistbare Kosten für die Gleichbehandlung

„Die Zahl der Betroffenen ist sicher nicht so groß, dass sich die öffentliche Hand die Gleichbehandlung nicht leisten kann. Bei den OÖ. Produktionsschulen geht es beispielsweise um rund 200 Jugendliche“, stellt AK-Präsident Kalliauer fest.

Durch die Gleichbehandlung würden keine nennenswerten zusätzlichen Kosten anfallen. Im Gegenteil würde die Auslastung der öffentlichen Verkehrsmittel verbessert. Die Selbstbehalte wären sogar ein Beitrag zur Deckung der Fixkosten.

AK-Präsident Kalliauer fordert den Verkehrslandesrat dazu auf, rasch und unbürokratisch die Voraussetzungen zu schaffen, damit Freifahrt und Jugendticket allen Jugendlichen in Ausbildung zu den gleichen Bedingungen zur Verfügung stehen.

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