Lehrlinge und die soziale Frage

Das Institut für Jugendkulturforschung hat im Rahmen der Lehrlingsstudie 2018 nachgefragt welche Prioritäten Lehrlinge im täglichen Leben setzen und in welchem Ausmaß sie an der Politik interessiert sind. Hintergrund dieser Befragung war, dass Jugendliche oft als politikverdrossen hingestellt werden und oft einen anderen Zugang zu Politik und Gesellschaft haben, als erwachsene Menschen. Des weiteren haben Lehrlinge zu gesellschaftspolitischen Themen des Öfteren eine andere Meinung als Gleichaltrige, die eine höhere bzw. weiterführende Schule oder Universität besuchen.

Dies bedeutet aber auch, dass junge Menschen die Zeichen der Zeit und die Folgen des gesellschaftlichen Wandels an verschiedenen sozialen Standorten unterschiedlich wahrnehmen. Die politische Debatte soll stärker auf den Alltag der Lehrlinge heruntergebrochen werden und Lehrlinge sollen ebenso als gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure verstanden werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrlinge mit der „Gesellschaft der Vielfalt“ größtenteils entspannter umgehen, als man ihnen gerne unterstellt. Gegenüber Nachbarn, die als Gastarbeiter nach Österreich kommen, Menschen mit anderer Hautfarbe, Arbeitslosen oder auch alten Menschen haben Lehrlinge kaum Vorbehalte.

Lehrlinge haben an die Politik klaren Erwartungen: Politik soll den Bildungs- und Erwerbsmilieus, in denen sie sich bewegen, materielle Existenzsicherheit und einen angemessenen Lebensstandard garantieren sowie einer einseitigen Privilegierung gehobener Milieus gegensteuern. Sie zeigen bei Themen wie Zukunftsvorsorge Eigenverantwortung und verlassen sich nicht zur Gänze auf den Staat. Für Lehrlinge ist es auch wichtig an der Konsum- und Erlebnisgesellschaft teilnehmen zu können, sie versuchen nach der Arbeit bzw. nach der Berufsschule möglichst viel zu erleben – Lehrlinge leben nicht, um zu arbeiten, sondern wollen arbeiten, um zu leben. Politisches Engagement passen nicht zum Lifestyle vieler Lehrlinge, zeigt die durchgeführte Umfrage. Lediglich neun Prozent zeigen sehr großes politisches Interesse.

Die gesamte Kurzexpertis von Dr. Beate Großegger (Institut für Jugendkulturforschung) kann unter folgendem Link nachgelesen werden:

https://jugendkultur.at/wp-content/uploads/Lehrlinge_Grossegger_8_2018.pdf